„Sehr schade, daß ich nicht zu gebären verstehe,“ sagte Kirilloff ernst und nachdenklich, „das heißt, nicht ich gebären, aber so zu machen, daß ich nicht zu gebären verstehe ... oder ... Nein, das verstehe ich schon nicht zu sagen.“

„Sie wollen wohl sagen, daß Sie bei der Geburt nicht zu helfen verstehen? Aber davon spreche ich ja nicht! Eine Alte, ein altes Weib, ich bitte Sie um ein altes Weib, eine Krankenwärterin, Pflegerin, Aufwärterin!“

„Die Alte wird da sein, nur vielleicht nicht gleich. Wenn Sie wollen, werde ich anstatt ...“

„Unmöglich! – ich laufe jetzt zur Wirginskaja, zur Hebamme ...“

„Gemeines Frauenzimmer.“

„Ja, Kirilloff, ja, aber sie ist die beste! O ja, das wird alles ohne Ehrfurcht, ohne Freude, mürrisch, mit Geschimpf und Gotteslästerungen geschehen – bei einem so großen, heiligen Geheimnis, wie es die Geburt eines neuen Menschen ist! ... Oh, und sie – sie verflucht das Kind schon jetzt! ...“

„Wenn Sie wollen, ich ...“

„Nein, nein, aber während ich laufe (oh, ich werde die Wirginskaja schon heranschleppen!) währenddem könnten Sie von Zeit zu Zeit zu meiner Treppe gehen und vorsichtig hinaufhorchen, doch unterstehen Sie sich nicht, hineinzugehen, Sie würden sie erschrecken, hören Sie, daß Sie nicht hineingehen, horchen Sie bloß so – auf alle Fälle! Nur wenn etwas Äußerstes geschehen sollte – gehen Sie hinein!“

„Verstehe. Geld noch einen Rubel. Hier. Ich wollte morgen ein Huhn, jetzt will ich nicht. Laufen Sie schnell, laufen Sie so schnell Sie können. Der Samowar ist die ganze Nacht.“

Kirilloff ahnte nichts von den Absichten gegen Schatoff. Auch früher war ihm die Gefahr unbekannt gewesen, die Schatoff drohte. Er hatte nur gehört, daß Schatoff alte Abrechnungen mit „diesen Leuten“ habe, doch wußte er nichts Näheres darüber, obschon er selbst durch gewisse Instruktionen aus dem Auslande (übrigens waren es nur ganz unverfängliche) mit dem „Fall Schatoff“ gewissermaßen verknüpft war. Doch in der letzten Zeit hatte er alles abgelehnt, hatte sich von allem zurückgezogen, besonders was die „allgemeine Sache“ irgendwie anging, und sich ganz seinem kontemplativen Leben hingegeben. Pjotr Werchowenski, der auf der Sitzung doch eigentlich nur deshalb Liputin aufgefordert hatte, mitzukommen, um ihn zu überzeugen, daß Kirilloff den „Fall Schatoff“ tatsächlich auf sich nehmen werde, hatte im Gespräch mit Kirilloff kein Wort über Schatoff verloren, ja, ihn nicht einmal erwähnt: offenbar mit Absicht, da er nicht sicher war, ob Kirilloff nicht alles ablehnen würde, wenn er erfuhr, daß Schatoff als Opfer mit hineingezogen werden sollte. So hatte er denn diesen Teil der ganzen Angelegenheit auf den folgenden Tag verschoben, wenn die Tat bereits geschehen und alles schon „einerlei“ war. Liputin war es allerdings aufgefallen, daß Pjotr Stepanowitsch gerade über Schatoff kein Wort sagte, doch war er andererseits selbst zu aufgeregt gewesen, um ihn darauf aufmerksam zu machen.