„Ich, Alexei Kirilloff,“ diktierte fest und befehlend Pjotr Stepanowitsch, über die Schulter Kirilloffs gebeugt und jeden Buchstaben, den dieser mit seiner zitternden Hand schrieb, mit den Augen verfolgend, „– ich, Kirilloff, erkläre, daß ich heute, am ...sten Oktober, am Abend um acht Uhr, den Studenten Schatoff im Park getötet habe und zwar für Verrat und Anzeige der Proklamationen, sowie Fedjkas, der bei uns beiden im Filippoffschen Hause zehn Tage gewohnt und genächtigt hat. Ich erschieße mich aber heute mit einem Revolver nicht deswegen, weil ich bereue und euch fürchte, sondern weil ich schon im Auslande die Absicht hatte, mir das Leben zu nehmen.“

„Und das ist alles?“ fragte erstaunt und unwillig Kirilloff.

„Kein Wort mehr!“ sagte Pjotr Stepanowitsch, mit der Hand abwinkend, und suchte ihm das Papier zu entreißen.

„Wart!“ rief Kirilloff und legte fest seine Hand auf das Blatt. „Wart, Unsinn! Will noch sagen, mit wem ich erschlagen habe. Warum Fedjka? Und die Brandstiftung? Ich will alles und will sie noch ausschimpfen mit dem Ton, mit dem Ton!“

„Genug, Kirilloff, ich versichere Ihnen, das ist vollkommen genug!“ flehte Pjotr Stepanowitsch geradezu, denn er zitterte vor Angst, daß Kirilloff das Papier vielleicht wieder zerreißen werde. „Damit die es glauben, muß es so dunkel wie möglich sein, nur mit Andeutungen, gerade so! Man muß nur ein Eckchen der Wahrheit zeigen, nur soviel, um sie irrezuführen. Die werden sich schon selbst weit mehr vorlügen, als wir es könnten, und sich selbst werden sie natürlich mehr glauben als uns – und das ist doch gerade das Beste, das Allerbeste! Geben Sie her, es ist wundervoll so. Geben Sie! Geben Sie!“

Und er bemühte sich immer noch, ihm das Papier zu entwenden, es ihm unter der Hand wegzuziehen. Kirilloff hatte die Augen weit aufgerissen, hörte wohl auch zu und schien sogar begreifen zu wollen, doch hatte er wahrscheinlich schon aufgehört, zu verstehen.

„Teufel!“ entfuhr es plötzlich wütend Pjotr Stepanowitsch. „Er hat ja noch gar nicht unterschrieben! Was starren Sie denn so, unterschreiben Sie doch!“

„Ich will ausschimpfen ...“ murmelte Kirilloff, nahm aber doch gehorsam die Feder und schrieb seinen Namen. „Ich will ausschimpfen ...“

„Schreiben Sie meinetwegen: Vive la république,[199] und damit dann genug.“

„Bravo!“ schrie, brüllte fast Kirilloff vor Entzücken auf. „Vive la république démocratique, sociale et universelle ou la mort! ... Nein, nein, nicht so. Liberté, egalité, fraternité ou la mort.[200] Das ist noch besser, noch besser,“ und er schrieb es mit sichtlichem Hochgenuß unter seinen Namenszug.