„Genug jetzt, wirklich genug!“ wiederholte Pjotr Stepanowitsch.

„Wart, noch ein ... Ich, weißt du, ich werde noch einmal auf französisch unterschreiben: ‚de Kirilloff, gentil-homme russe et citoyen du monde.‘[201] Hahahahaha!“ lachte er auf. „Nein, nein, nein, wart, habe es noch besser gefunden, am allerbesten, Heureka! – ‚gentil-homme-séminariste russe et citoyen du monde civilisé!‘[202] Das ist am allerbesten ...“ – – – und er sprang jäh auf, ergriff plötzlich mit einer schnellen Bewegung seinen Revolver, stürzte in das andere Zimmer und schlug die Tür fest hinter sich zu.

Pjotr Stepanowitsch stand einen Augenblick nachdenklich da und sah gespannt auf die geschlossene Tür.

„Wenn sofort – dann ist es möglich, daß er abdrückt, fängt er aber an zu denken – dann wird nichts geschehen.“

Vorläufig nahm er das Blatt in die Hand, setzte sich wieder und sah das Geschriebene noch einmal durch. Die Abfassung gefiel ihm wieder ungemein.

„Was fehlt uns jetzt! Es ist ja weiter nichts nötig, wie sie für eine Zeitlang ganz aus der Fassung zu bringen und abzulenken. Park? In der Stadt gibt es keinen Park. Aber sie werden schon mit ihrem eigenen Verstande auf Skworeschniki verfallen. Bis sie aber darauf verfallen, vergeht Zeit, bis sie suchen – wieder Zeit, und finden sie die Leiche – so ist hier nur die Wahrheit geschrieben worden, folglich muß auch alles andere richtig sein, auch das von Fedjka. Was aber bedeutet Fedjka? Fedjka – das ist der Brand, Fedjka, das sind Lebädkins: folglich ist alles aus dem Filippoffschen Hause gekommen, sie aber haben nichts davon gesehen, haben nichts durchschauen können, – und gerade das wird sie schon vollends verwirren! Auf die Unsrigen aber werden sie überhaupt nicht verfallen. Es waren also Schatoff und Kirilloff und Fedjka und Lebädkin; warum sie aber einander totgeschlagen haben – das ist dann für die Leute noch so eine kleine Frage zum Zeitvertreib. Zum Teufel, wo bleibt denn der Schuß! ...“

Pjotr Stepanowitsch hatte die ganze Zeit, wenn er auch las und sich über die Abfassung freute, doch gleichzeitig jeden Augenblick mit quälender Unruhe gehorcht und – plötzlich wurde er wütend. Erregt zog er die Uhr hervor: es war schon sehr spät; und Kirilloff mochte vor bereits zehn Minuten hinausgegangen sein ... Er ergriff das Licht und ging zur Tür des Nebenzimmers. An der Tür sah er plötzlich und kam es ihm zu Bewußtsein, daß auch das Licht schon heruntergebrannt war und vielleicht nach zwanzig Minuten auslöschen werde, daß ein anderes aber nicht vorhanden war. Vorsichtig umfaßte er mit der Hand die Klinke und horchte. Kein einziger Laut drang aus dem anderen Zimmer. Plötzlich öffnete er die Tür und erhob das Licht: da brüllte etwas auf und stürzte auf ihn zu. Hastig schlug er die Tür zu und stemmte sich mit aller Kraft gegen sie, aber schon war alles verstummt – und wieder Totenstille.

Lange stand er so in seiner Unentschlossenheit mit dem Licht in der Hand. In dem kurzen Augenblick, nach dem Öffnen der Tür, hatte er nur sehr wenig sehen können, aber er erinnerte sich doch des Gesichts Kirilloffs, der am anderen Ende des Zimmers am Fenster gestanden hatte, und der tierischen Wut, mit der er zur Tür gestürzt war. Plötzlich regte sich etwas im Nebenzimmer.

Pjotr Stepanowitsch stellte schnell das Licht auf den Tisch, ergriff seinen Revolver und sprang auf den Fußspitzen zur Seite in die entgegengesetzte Ecke, so daß er, falls Kirilloff die Tür öffnete und auf den Tisch zuschritt, noch vor Kirilloff zielen und abdrücken konnte.

Aber es blieb wieder alles ruhig.