Vor Angst klappte er, ich weiß nicht warum, den Schirm wieder zusammen und legte ihn neben sich. Weit auf der Landstraße, zur Stadt hin, bemerkte er plötzlich ein Gefährt: unruhig sah er ihm entgegen und versuchte zu unterscheiden, was es war.
„Grace à Dieu,[209] es ist ein Wagen und – er fährt Schritt ... das kann nicht gefährlich sein. Diese hiesigen verhungerten Pferdchen ... Ich habe schon immer gesagt, daß die Rasse ... Übrigens nein, das war Pjotr Iljitsch, der im Klub immer von der Rasse gesprochen hat. Er hat im Spiel mit mir verloren ... oder nein, die Partie blieb remis ... et puis,[210] – aber was ist denn da hinten ... es scheint ... ein Weib sitzt auf dem Wagen. Ein Weib und ein Mann – cela commence à être rassurant.[211] Das Weib sitzt hinten und der Mann vorn, – c’est très rassurant. Hinten am Wagen ist eine Kuh an den Hörnern angebunden, c’est rassurant au plus haut degré[212] ...“
Der Wagen kam immer näher: es war ein fester, guter Bauernwagen. Das Weib saß auf einem vollgestopften Sack, der Mann vorn auf dem Wagenrand, so daß seine Beine zu der Wegseite, auf der Stepan Trophimowitsch saß, überm Rade herabbaumelten. Hinter dem Wagen trottete tatsächlich eine rote Kuh, die mit einem Strick um die Hörner an den Wagen gebunden war. Der Mann und das Weib starrten mit aufgerissenen Augen auf Stepan Trophimowitsch, und dieser genau so auf sie. So zogen sie an ihm vorüber. Doch als er sie schon gute zwanzig Schritt hatte weiterfahren lassen, erhob er sich plötzlich eilig und lief ihnen nach, um sie einzuholen. In der Nachbarschaft des Wagens schien es ihm natürlicherweise bedeutend sicherer zu sein. Doch kaum hatte er sie erreicht, da hatte er alles schon wieder vergessen und sich bereits von neuem in seine Gedanken und Vorstellungen versenkt. Er ging einfach nebenher und merkte gar nicht, daß er für den Mann und das Weib mittlerweile das rätselhafteste und interessanteste Objekt abgab, das man je auf der großen Landstraße antreffen konnte.
„Sie, was sind Sie denn, von welchen Leuten denn eigentlich, wenn es nicht verboten is zu fragen?“ fragte endlich das Weib, das nicht länger an sich halten konnte, als Stepan Trophimowitsch in der Zerstreutheit plötzlich auch sie ansah.
Sie war vielleicht siebenundzwanzig Jahre alt, rundlich, mit dunklen Augenbrauen, roten Wangen und freundlich lächelnden roten Lippen, zwischen denen gleichmäßige weiße Zähne glänzten.
„Sie ... Sie wenden sich an mich?“ stotterte Stepan Trophimowitsch mit bekümmerter Verwunderung.
„Muß wohl einer von den Kaufmännern sein,“ meinte der Mann mit Überlegenheit.
Der war ein stämmiger Bauer von ungefähr vierzig Jahren, mit einem breiten, nicht dummen Gesicht und großem blonden Bart.
„Nein, ich bin nicht gerade von den Kaufleuten, ich ... ich ... moi c’est autre chose,“[213] verteidigte sich, so gut es ging, Stepan Trophimowitsch und blieb auf alle Fälle ein wenig zurück, so daß er jetzt neben der Kuh ging.
„Muß wohl einer von den Herrschaften sein,“ schätzte der Mann, als er die nicht russischen Worte vernommen hatte, und zog die Leine, um sein Pferd ein wenig aufzumuntern.