„Wissen Sie,“ sagte er nach kurzem Schweigen, „lesen Sie mir noch etwas vor, so, schlagen Sie auf gut Glück das Buch auf und lesen Sie das, worauf Ihr Blick zuerst fällt.“
Ssofja Matwejewna schlug das Buch auf und las.
„Wo es sich von selbst aufschlägt, wo es sich von selbst aufschlägt,“ wiederholte er.
„‚Und dem Engel ... –‘“
„Was ist das? Woraus? Woraus ist das?“
„Das ist aus der Apokalypse.“
„Oh, je m’en souviens, oui, l’Apocalipse. Lisez, lisez.[262] Ich wollte über unsere Zukunft etwas hören, darum ließ ich Sie so eine Stelle auf gut Glück lesen, ich will wissen, was Sie da gefunden haben. Lesen Sie weiter, vom Engel, vom Engel ...“
„‚Und dem Engel der Gemeine zu Laodicea schreibe: Das sagt Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Kreatur Gottes. Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist, und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt, und bedarf nichts; und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß.‘“
„Das ... und das steht in Ihrem Buch!“ rief er erregt, mit glänzenden Augen, und erhob sich vom Kissen, „diese wundervolle Stelle habe ich nie gekannt! Hören Sie: eher kalt, kalt, als lau, nur lau! Oh, ich werde ihnen das auslegen! Nur verlassen Sie mich nicht, lassen Sie mich nicht allein! Wir werden es ihnen beweisen, wir werden es auslegen!“
„Aber ich werde Sie ja nicht verlassen, Stepan Trophimowitsch, beruhigen Sie sich, ich werde Sie nie verlassen!“ sagte sie und erfaßte seine Hand, die sie mit Tränen in den Augen an ihre Brust drückte. („Er tat mir schon gar zu leid in diesem Augenblick,“ erzählte sie uns später.)