Da aber die Hirten sahen, was da geschah, flohen sie und verkündigten’s in der Stadt und in den Dörfern. Da gingen sie hinaus, zu sehen, was da geschehen war, und kamen zu Jesu, und fanden den Menschen, von welchem die Teufel ausgefahren waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig, und sie erschraken.

Und die es gesehen hatten, verkündigten’s ihnen, wie der Besessene war gesund worden.‘“

„Mein Freund,“ sagte Stepan Trophimowitsch in großer Erregung, „savez-vous, diese wundervolle und ... ungewöhnliche Stelle ist mir mein ganzes Leben lang ein Stein des Anstoßes gewesen ... dans ce livre[265] ... so daß ich diese Stelle noch aus der Kindheit – behalten habe. Jetzt aber ist mir ein neuer Gedanke gekommen, une comparaison.[266] Ich habe jetzt furchtbar viele Gedanken: Sehen Sie, das ist genau so wie unser Rußland. Diese Teufel und Dämonen, die aus dem Besessenen in die Schweine fahren – das sind alle schlechten Säfte, alle Miasmen, aller Schmutz, alle Teufel und Beelzebuben, die sich in unserem lieben Kranken, in unserem Rußland angesammelt haben, schon seit vielen, vielen Jahrhunderten! Oui, cette Russie, que j’aimais toujours.[267] Aber ein großer Gedanke und ein mächtiger Wille werden es aus der Höhe segnen, ganz wie diesen wahnsinnigen Besessenen, und alle diese Unreinlichkeit, diese ganze Gemeinheit, die sich auf der Oberfläche angesammelt hat und langsam angefault ist ... sie werden noch selbst darum bitten, in die Schweine fahren zu dürfen! Ja, und sie sind ja vielleicht schon hineingefahren! Das sind wir, wir und jene und Petruscha ... et les autres avec lui,[268] und ich vielleicht der erste an der Spitze, und wir werden uns, wir Wahnsinnigen und Besessenen, vom Fels in das Meer stürzen und alle ertrinken, und dorthin gehören wir auch, dahin müssen wir, denn nur dazu allein taugen wir noch! Aber der Kranke selbst wird wieder gesunden und wird sich ‚zu Füßen Jesu‘ setzen ... und alle werden ihn mit Verwunderung schauen ... Meine Liebe, vous comprendrez après, jetzt aber regt mich das sehr auf ... Vous comprendrez après ... Nous comprendrons ensemble.“[269]

Er begann zu phantasieren und schließlich verlor er das Bewußtsein. So verging der ganze folgende Tag. Ssofja Matwejewna saß an seinem Bett und weinte, schlief schon die dritte Nacht nicht und vermied es nach Möglichkeit, den Wirtsleuten unter die Augen zu kommen, denn sie ahnte schon, daß diese irgend etwas beabsichtigten. Am nächsten Morgen wachte Stepan Trophimowitsch auf, erkannte sie wieder und streckte ihr die Hand entgegen. Sie bekreuzte sich mit neuer Hoffnung. Er aber wollte plötzlich aus dem Fenster sehen.

„Tiens, un lac,“[270] sagte er, „ach Gott, und ich habe ihn noch gar nicht gesehen ...“

In diesem Augenblick rollte eine Equipage vor das Haus und in den Zimmern wurde es lebendig.

III.

Es war Warwara Petrowna in eigener Person, die mit einem Viererzug in ihrer größten Equipage mit zwei Dienern und Darja Pawlowna angefahren kam. Das Wunder erklärte sich sehr einfach: der neugierige Anissim war in der Stadt gleich am anderen Tage in das Haus Warwara Petrownas gegangen und hatte dort den Dienstboten erzählt, daß er Stepan Trophimowitsch allein in einem Dorf angetroffen habe, und daß der gnädige Herr von dort nach Ustjewo weitergefahren sei, und zwar in Begleitung einer gewissen Ssofja Matwejewna. Da nun Warwara Petrowna sich über die Flucht ihres Freundes sehr aufgeregt und überall nach ihm zu fragen und zu forschen befohlen hatte, so war ihr sogleich gemeldet worden, was Anissim erzählt hatte. Selbstredend mußte Anissim nun unverzüglich vor der Herrin erscheinen und alles nochmals erzählen, und nachdem sie ihn aufmerksam angehört hatte – besonders die Schilderung der Abfahrt in einem Wagen mit irgendeiner Ssofja Matwejewna –, da ward noch im selben Augenblick die Equipage bestellt. Auf frischer Spur ging’s dem Flüchtling nach. Von seiner Krankheit wußte sie natürlich noch nichts.

Ihre strenge und befehlende Stimme machte selbst den Wirtsleuten bange. Sie ließ hier nur halten, um sich zu erkundigen, wann Stepan Trophimowitsch nach Spassoff weitergefahren sei. Als sie nun erfuhr, daß er noch da war und krank zu Bett lag, da stieg sie sofort aus und trat erregt in das Haus.

„Nun, wo ist er denn hier?“ fragte sie. „Ah, das bist du!“ rief sie plötzlich, als sie Ssofja Matwejewna, die gerade in diesem Augenblick aus dem Krankenzimmer trat, in der Tür erblickte. „Ich sehe es schon deinem schamlosen Gesichte an, daß du es bist. Hinaus, Schändliche! Daß mir sofort keine Spur mehr von ihr im Hause bleibe! Jagt sie hinaus, – geh! oder ich lasse dich auf ewig ins Gefängnis stecken! Bewacht sie mir solange in einem anderen Hause. Sie hat ja schon einmal im Gefängnis gesessen, kann also wieder hinein. Und du,“ wandte sie sich befehlend an den Hauswirt, „daß du mir nicht wagst, jemanden hereinzulassen, solange ich hier bin! Ich bin die Generalin Stawrogina und nehme das ganze Haus für mich in Beschlag. Du aber, meine Beste, du wirst mir noch Rede stehen!“