Ich weiß eigentlich nicht, wen ich der Vollständigkeit halber noch zu erwähnen hätte. Mawrikij Nicolajewitsch ist irgendwohin auf immer von hier weggereist. Lisas Mutter ist kindisch geworden ... Nur eine düstere Geschichte bleibt mir noch zu erzählen übrig. Ich werde mich mit den Tatsachen begnügen.
Warwara Petrowna war nach ihrer Rückkehr mit der Leiche Stepan Trophimowitschs aus Ustjewo wieder in ihrem Stadthause abgestiegen. Die Neuigkeiten, die sich hier inzwischen angesammelt hatten und die sie nun alle mit einem Male erfuhr, erschütterten sie entsetzlich. Es war Abend; alle waren müde und man ging früher zu Bett.
Am folgenden Morgen übergab die Kammerzofe Darja Pawlowna mit geheimnisvoller Miene einen Brief. Sie sagte, sie hätte ihn erst spät am Abend erhalten, als alle schon schliefen, und nicht gewagt, Darja Pawlowna aufzuwecken. Der Brief war nicht mit der Post gekommen, sondern in Skworeschniki von einem unbekannten Menschen Alexei Jegorowitsch eingehändigt worden. Dieser aber habe den Brief gestern Abend ihr – der Kammerzofe – selbst überbracht und sei darauf sofort nach Skworeschniki zurückgefahren.
Darja Pawlowna betrachtete mit klopfendem Herzen lange diesen Brief und wagte nicht ihn zu öffnen. Sie wußte, von wem er war: so schrieb nur Nicolai Stawrogin. Sie las die Aufschrift auf dem Kuvert: „An Alexei Jegorytsch zur Übergabe an Darja Pawlowna, heimlich.“
Hier ist dieser Brief, Wort für Wort, ohne Korrektur auch nur des geringsten Fehlers in den Sätzen dieses russischen Edelmannes, der ungeachtet seiner ganzen europäischen Bildung die Grammatik seiner Muttersprache nicht zu Ende gelernt hatte.
„Liebe Darja Pawlowna,
Sie wollten einmal ‚als Krankenschwester‘ zu mir kommen und nahmen mir das Wort ab, Sie zu rufen, wenn es nötig wird. Ich fahre in zwei Tagen und werde nie mehr wiederkehren. Wollen Sie mit mir gehen?
Im vorigen Jahr habe ich mich wie seinerzeit Herzen als Bürger des Kantons Uri aufnehmen lassen, und das weiß niemand. Ich habe mir dort schon ein kleines Haus gekauft. Ich habe noch zwölftausend Rubel; wir fahren dann fort und werden dort ewig leben. Ich werde sonst niemals nirgend wohin mehr reisen.
Die Stelle ist sehr öde, eine Schlucht; die Berge beengen den Blick und den Gedanken. Es ist sehr düster. Ich tat es, weil das kleine Haus gerade verkauft wurde. Wenn es Ihnen nicht gefällt, so verkaufe ich es und kaufe ein anderes an einem anderen Ort.
Ich bin nicht gesund, aber von den Halluzinationen hoffe ich mich durch die dortige Luft zu befreien. Physisch; moralisch aber wissen Sie alles; nur, ist es auch wirklich alles?