Lisaweta Tuschina!
Wenn sie morgens ausreitet
Und durch ihre Locken der Wind gleitet!
Dann wünsch’ ich mir von ihr alle Wonne
Und denk’, sie sei meine Frau und meine Sonne.
(Gedichtet von einem Ungelehrten nach einem
Streite.)
Gnädiges Fräulein!
Am meisten bedauere ich, daß ich vor Sebastopol nicht einen Arm zum Ruhme der Tapferkeit verloren habe, sintemal ich dort überhaupt nicht gewesen bin, sondern man mich während des ganzen Feldzuges mit der Lieferung von ganz gemeinem Proviant beschäftigt hat. Sie aber sind eine Göttin im Altertum und ich bin vor Ihnen nichts, doch jetzt ahne ich, was Unermeßlichkeit ist. Betrachten Sie alles, was ich Ihnen sage, als Verse, denn Verse sind Poesie, und Poesie ist Unsinn, aber sie entschuldigt das, was man in der Prosa Unverschämtheit nennt. Wie aber sollte sich eine Sonne über eine Infusorie ärgern, wenn es doch, mit dem Mikroskop betrachtet, unendlich viele Infusorien schon in einem Wassertropfen gibt! Sogar der große Klub der Nächstenliebe zu großem Viehzeug in Petersburg, der mitleidig für die Rechte von Hunden und Pferden kämpft, nimmt sich der kleinen Infusorie nicht an, weil sie nicht ausgewachsen ist. Auch ich bin noch nicht ausgewachsen. Der Gedanke an eine Heirat würde komisch sein. Aber durch einen Menschenhasser, den Sie verachten, werde ich bald zweihundert ehemalige Seelen besitzen. Kann vieles mitteilen, und habe Dokumente in der Hand, wofür es sogar nach Sibirien gehen kann. Verachten Sie also nicht meinen Antrag. Dieser Brief ist rein poetisch zu verstehen.
Hauptmann Lebädkin,
Ihr ergebenster Freund, der immer Zeit hat.“