„Mit welcher Empörung wäre eine andere fortgegangen, Sie aber sind geblieben!“ rief ich berauscht.
„Sie haben sich früher nie erlaubt, so mit mir zu sprechen.“
„Ich habe früher nie meine Schüchternheit überwinden können. Auch als ich jetzt hier eintrat, wußte ich nicht, was ich sagen sollte. Sie glauben, ich wäre jetzt nicht schüchtern? Ich bin es. Aber ich habe einen großen Entschluß gefaßt, und ich fühle, daß ich ihn ausführen werde. Und als ich diesen Entschluß gefaßt hatte, da verlor ich gleich meinen Verstand und begann das alles zu sagen ... Hören Sie mich an, nur zwei Worte: bin ich ein Spion oder nicht? Antworten Sie mir – das ist meine Frage!“
Das Blut schoß ihr ins Gesicht.
„Nein, antworten Sie noch nicht, Katerina Nikolajewna, hören Sie erst alles an, und dann sagen Sie mir die ganze Wahrheit.“
Ich hatte auf einmal alle Schranken zerbrochen und schwebte in der Luft.
II.
„Vor zwei Monaten stand ich hier hinter der Portiere ... Sie wissen ... und Sie erzählten Tatjana Pawlowna von jenem Brief. Ich stürzte schließlich hervor, besinnungslos, außer mir, und verriet mein Geheimnis. Sie begriffen sofort, daß ich etwas wußte ... Sie mußten es ja begreifen. Sie suchten ein wichtiges Dokument und befürchteten vieles ... Warten Sie, Katerina Nikolajewna, sagen Sie noch nichts. Ich erkläre Ihnen hiermit, daß Ihr Verdacht nicht unbegründet war: dieses Dokument existiert ... das heißt, es hat existiert ... ich habe es gesehen; es war das ein Brief von Ihnen an Andronikoff, nicht wahr?“
„Sie haben diesen Brief gesehen?“ fragte sie hastig in sichtlicher Verwirrung und Aufregung. „Wo haben Sie ihn gesehen?“
„Ich ... ich habe ihn ... bei Krafft gesehen; bei dem, der sich erschossen hat ...“