Ich hatte das wohl in ziemlich scharfem Tone gesagt, aber so war es mir ganz recht. Eigentlich wußte ich nicht, weshalb ich noch dort saß; ich war wie nicht bei Sinnen.
„Was fällt dir nun wieder ein?“ fragte Tatjana Pawlowna und sah mich mißtrauisch an. „Na, wie findest du ihn, Makar Iwanowitsch?“ fragte sie diesen und wies dabei mit dem Finger auf mich.
„Gott segne ihn, er ist gewitzt,“ sagte der Alte mit ernstem Gesicht, aber bei dem Wort „gewitzt“ fingen fast alle zu lachen an.
Ich konnte mich gerade noch so weit zusammennehmen, daß ich ernst blieb; am lautesten lachte der Doktor. Dumm war nur, daß ich damals nichts von ihrer Übereinkunft wußte! Werssiloff, der Doktor und Tatjana Pawlowna hatten sich nämlich schon vor drei Tagen verabredet, alles aufzubieten, um Mama von schlimmen Vorahnungen und Befürchtungen für Makar Iwanowitsch abzulenken; denn sein Zustand war schon viel hoffnungsloser, als ich damals ahnte. Deshalb also gaben sie sich Mühe, möglichst lustig zu sein, zu scherzen und zu lachen. Nur der Doktor war dumm und verstand darum auch keinen Scherz: daraus entstand dann später die ganze Geschichte. Wenn ich aber um diese Verabredung gewußt hätte, so würde ich es natürlich nicht dazu gebracht haben, wozu es nun kam. Lisa wußte auch nichts von der Verabredung.
Ich saß und hörte nur mit halbem Ohre zu; sie sprachen und lachten, mir aber gingen die ganze Zeit Darja Onissimowna und ihre Neuigkeiten durch den Kopf, und es war mir nicht möglich, diese Gedanken zu verscheuchen; ich glaubte, sie immer noch vor mir zu sehen, wie sie so sitzt und mich ansieht, sich dann leise erhebt, vorsichtig zur Tür geht und ins andere Zimmer späht. Auf einmal fingen sie alle laut zu lachen an. Tatjana Pawlowna hatte, ich weiß nicht, wie das Gespräch darauf gekommen war, den Doktor einen Gottlosen genannt: „Na, ihr Mediziner, ihr seid doch alle Gottlose! ...“
„Makar Iwanowitsch!“ rief sofort der Doktor, der auf eine höchst dumme Weise den Beleidigten spielte, der Gerechtigkeit heischt, „bin ich ein Gottloser?“
„Du ein Gottloser? Nein, du bist kein Gottloser,“ antwortete der Alte ehrlich, nachdem er ihn prüfend angesehen hatte. „Nein, Gott sei Dank!“ Er schüttelte den Kopf. „Du bist ein heiterer Mensch.“
„Und wer heiter ist, der ist schon kein Gottloser?“ fragte der Doktor ironisch.
„Das ist in seiner Art ein Gedanke,“ bemerkte Werssiloff, lachte aber dabei gar nicht.
„Das ist sogar ein starker Gedanke!“ rief ich unwillkürlich aus, ganz betroffen durch diesen Gedanken.