„Passen Sie auf!“ sagte er plötzlich, verstummte und hob den Finger in die Höhe. „Passen Sie auf, das ... das ... das sind, wenn ich mich nicht irre ... Kniffe! ...“ flüsterte er mit dem Lächeln eines Blödsinnigen. „Und das bedeutet, daß ...“

„Gar nichts bedeutet das!“ unterbrach ich ihn. „Ich begreife nicht, wie ein so nichtssagender Umstand Sie überhaupt aufregen kann ... Ach, Fürst, seit der Zeit, seit jener Nacht, erinnern Sie sich noch ...“

„Seit welcher Nacht?“ rief er gereizt und sichtlich geärgert darüber, daß ich ihn unterbrochen hatte.

„Bei Serschtschikoff, wo wir uns zum letztenmal sahen, damals, wissen Sie noch, vor Ihrem Brief an mich. Auch damals waren Sie in einer furchtbaren Aufregung, aber damals und jetzt – der Unterschied ist so groß, daß ich Angst um Sie bekomme ... oder sollten Sie vergessen haben?“

„Ach, ja,“ sagte er in gesellschaftlich nachlässigem Tone, als erinnere er sich zufällig, „ach, ja! An dem Abend ... Ich hörte davon ... Aber wie steht es denn mit Ihrer Gesundheit, und wie fühlen Sie sich jetzt, nach alledem, Arkadi Makarowitsch? ... Doch kommen wir zur Hauptsache! Sehen Sie, ich verfolge eigentlich drei Ziele, drei Aufgaben sehe ich vor mir, und ich ...“

Er kam wieder auf seine „Hauptsache“ zu sprechen. Ich begriff endlich, daß ich einen Menschen vor mir hatte, dem man zum mindesten ein in Essig getauchtes Handtuch um den Kopf legen mußte, falls man ihn nicht zur Ader lassen konnte. Sein ganzes zusammenhangsloses Gerede drehte sich natürlich um den Prozeß und den voraussichtlichen Ausgang desselben; er sprach auch davon, daß sein Regimentskommandeur ihn besucht und ihm dringend von irgend etwas abgeraten hätte, er aber hätte nicht auf ihn gehört – dies bezog sich auf ein Schreiben, das von ihm soeben eingereicht worden war, und das irgend etwas mit dem Staatsanwalt zu tun hatte; ferner sprach er davon, daß man ihm alle Rechte nehmen und wohl irgendwohin, nach den nördlichsten Provinzen Rußlands verbannen werde; er sprach von der Möglichkeit, Kolonist zu werden oder in Taschkent sich wieder heraufzudienen, und davon, was für Lehren er seinem Sohne (dem erwarteten Sohne von Lisa) auf den Lebensweg mitgeben wolle – „dort in der Einöde bei Archangelsk oder Cholmogory“. „Ich wollte Ihre Meinung hören, Arkadi Makarowitsch, glauben Sie mir, ich lege so viel Wert auf das Gefühl ... Wenn Sie wüßten, wenn Sie wüßten, Arkadi Makarowitsch, mein Lieber, mein Bruder, was Lisa für mich bedeutet, was sie für mich hier bedeutet hat, jetzt in dieser Zeit!“ rief er auf einmal und faßte sich mit beiden Händen an den Kopf.

„Ssergei Petrowitsch, wollen Sie sie denn wirklich zugrunde richten und sie mitnehmen? ... Nach Cholmogory!“ entfuhr es mir plötzlich unvorsichtigerweise.

Das Schicksal Lisas, die nun ewig an diesen Maniaken gebunden war, kam mir da plötzlich klar zu Bewußtsein – zum erstenmal. Er sah mich an, erhob sich von neuem, tat ein paar Schritte, kehrte aber um und setzte sich wieder, ohne die Hände, die er an seinen Kopf preßte, sinken zu lassen.

„Mir träumt immer von Spinnen!“ sagte er plötzlich.

„Sie sind schrecklich aufgeregt, Fürst; ich rate Ihnen, sich ins Bett zu legen und den Doktor holen zu lassen.“