Der Riegel wurde zurückgeschoben, aber die Tür nur ein wenig geöffnet.

„Was ist geschehen? So erzähl doch!“

„Ich weiß selbst nicht, ich bin soeben nach Hause gekommen, da war er schon tot. Andrei Petrowitsch sagt: Herzschlag!“

„Ich komme sofort, im Augenblick. Lauf’, sag’, ich komme gleich; mach, daß du fortkommst, marsch, marsch! Was stehst du denn noch da?“

Ich hatte aber durch die halbgeöffnete Tür deutlich gesehen, daß jemand hinter der Portiere, die Tatjana Pawlownas Schlafraum abteilte, hervorgetreten war und jetzt im Zimmer hinter Tatjana Pawlowna stand. Unwillkürlich erfaßte ich den Türgriff und ließ Tatjana Pawlowna die Tür nicht mehr schließen.

„Arkadi Makarowitsch! Ist es wirklich wahr, daß er gestorben ist?“ ertönte eine mir so gut bekannte, wohlklingende Stimme, die mein ganzes Innere auf einmal erzittern machte: aus ihrer Frage hörte man, daß etwas die Sprecherin durchdrungen hatte und ihre Seele erregte.

„Na, wenn’s so ist ...“ bemerkte Tatjana Pawlowna und ließ die Tür offen, „wenn’s so ist ... dann seht zu, wie ihr miteinander fertig werdet. Habt es selbst gewollt!“

Sie stürzte hinaus, warf sich im Laufen einen Schal und den Pelz um und lief die Treppe hinunter. Wir blieben allein. Ich warf meinen Pelz ab, trat ins Zimmer und schloß die Tür hinter mir. Sie stand vor mir wie damals, bei jenem Stelldichein, mit leuchtenden Augen, und wie damals streckte sie mir beide Hände entgegen. Da knickten mir die Knie ein, und ich sank ihr buchstäblich zu Füßen.

III.

Ein Schluchzen saß mir in der Kehle, und Tränen traten mir in die Augen, ich weiß selbst nicht, weshalb; ich weiß auch nicht, wie es kam, daß ich dann neben ihr saß; ich weiß nur noch – und diese Erinnerung ist mir unsagbar teuer – daß wir nebeneinander saßen, meine Hand in ihrer Hand ruhte, und daß wir fieberhaft sprachen: sie fragte mich nach dem Alten und nach seinen letzten Augenblicken, und ich erzählte ihr von ihm. Man hätte denken können, ich weinte um Makar Iwanowitsch, während das durchaus nicht der Fall war; aber ich weiß ja, daß sie mich einer solchen kindischen Rührseligkeit ganz entschieden nicht für fähig halten konnte. Damals aber kam mir diese Möglichkeit plötzlich zu Bewußtsein, und ich schämte mich. Heute bin ich der Meinung, daß ich einzig aus Begeisterung geweint habe, und ich denke, sie wird das auch sehr gut verstanden haben, so daß ich wegen dieser Erinnerung ganz ruhig bin.