Auf einmal kam es mir aber sehr sonderbar vor, daß sie mich so eingehend über Makar Iwanowitsch ausfragte.

„Ja, haben Sie ihn denn gekannt?“ fragte ich sie verwundert.

„Oh, ich kenne ihn schon lange. Ich habe ihn nie gesehen, aber er hat auch in meinem Leben eine Rolle gespielt. Vieles von ihm hat mir seinerzeit jener Mann erzählt, vor dem ich mich fürchte. Sie wissen, wen ich meine.“

„Ich weiß jetzt nur, daß jener Mann Ihnen innerlich viel näher gestanden hat, als Sie mich haben ahnen lassen,“ erwiderte ich, ohne selbst zu wissen, was ich damit eigentlich sagen wollte, aber ich sagte es gleichsam vorwurfsvoll und mit gerunzelter Stirn.

„Sie sagten, er habe Ihre Mutter soeben geküßt und umarmt? Haben Sie das selbst gesehen?“ fragte sie mich hastig weiter – meine Bemerkung überhörte sie.

„Ja, ich habe es mit eigenen Augen gesehen; und glauben Sie mir, es geschah alles mit der größten Aufrichtigkeit und Innigkeit!“ beeilte ich mich, zu versichern, als ich ihre Freude sah.

„Gott gebe es!“ sagte sie und bekreuzte sich. „Jetzt ist er frei. Dieser herrliche Alte hatte sein Leben doch in Ketten geschlagen. Jetzt, wo der Alte tot ist, wird wieder das Pflichtbewußtsein und ... die Würde in ihm auferstehen, wie es schon einmal geschehen ist. Oh, ich weiß, er ist vor allen Dingen großmütig und wird dem Herzen Ihrer Mutter den Frieden geben, denn er liebt sie ja doch mehr als alles auf der Welt, und wird schließlich auch selbst Ruhe finden, Gott sei Dank – und es wäre auch Zeit.“

„Er ist Ihnen wohl teuer?“

„Ja, sehr teuer, wenn auch nicht in dem Sinne, in dem er es wünschte und in dem Sie jetzt fragen,“ antwortete sie ernst.

„Fürchten Sie denn nun für ihn oder für sich?“ fragte ich plötzlich.