„Aber ... warum regt ihr euch denn auf?“ fragte er leise und sah uns alle der Reihe nach forschend an. Dann stützte er plötzlich beide Ellbogen auf den Tisch und preßte die Stirn in die Hände.
„Ich ängstige euch, aber ich habe eine Bitte, meine Freunde: unterhaltet mich ein wenig, setzt euch wieder hin und beruhigt euch alle – wenigstens auf einen Augenblick! Ssonjä, ich bin ja nicht deshalb gekommen, um das zu sagen; ich kam allerdings, um etwas mitzuteilen, aber etwas ganz anderes. Leb wohl, Ssonjä, ich gehe wieder auf die Wanderschaft, wie ich schon mehrmals von dir gegangen bin ... Nun und natürlich werde ich einmal wieder zu dir zurückkehren – in diesem Sinne bist du ja mein Schicksal. Zu wem sollte ich denn auch sonst gehen, wenn alles zu Ende ist? Glaube mir, Ssonjä, ich bin jetzt zu dir gekommen, wie zu einem Engel und durchaus nicht wie zu einem Feinde: was wärest du mir denn für ein Feind, ja, was für ein Feind? Glaube auch nicht, daß ich gekommen bin, um dieses Heiligenbild zu zerschlagen, aber weißt du, Ssonjä, ich habe doch Lust, es zu zerschlagen ...“
Als Tatjana Pawlowna vorhin ausgerufen hatte: „Laß das Bild, leg es hin!“ – da hatte sie es ihm entwunden und in ihrer Hand behalten. Plötzlich aber, bei seinem letzten Wort, sprang er auf, entriß es ihr im Augenblick, holte jähzornig aus und schleuderte es aus aller Kraft an die Ecke des Kachelofens. Das Heiligenbild zersprang in genau zwei Stücke ... Da wandte er sich hastig zu uns, sein bleiches Gesicht wurde rot, fast purpurrot, und jeder Nerv seines Gesichts bebte und zuckte.
„Faß es nicht als Sinnbild auf, Ssonjä, ich habe nicht Makars Vermächtnis zerschlagen, sondern nur so ... um zu zerschlagen ... Zu dir werde ich ja doch zurückkehren, – als zu meinem letzten Engel! oder übrigens – faß es meinetwegen auch als Sinnbild auf; denn das war es doch nun einmal, unbedingt! ...“
Und plötzlich ging er schnell aus dem Zimmer und verließ das Haus – wieder durch die andere Tür (sein Pelz und seine Mütze waren an jenem Ende des Korridors geblieben). Ich will nicht ausführlich schildern, was mit Mama geschah: zu Tode erschrocken und mit erhobenen Händen stand sie wie erstarrt da, bis sie – jäh zu sich kam und ihm nachrief:
„Andrei Petrowitsch, so laß uns doch wenigstens Abschied nehmen, Liebster!“
„Er wird schon kommen, Ssofja, er wird schon kommen! Sei unbesorgt!“ schrie Tatjana Pawlowna in einem furchtbaren Haßanfall, zitternd vor Empörung, vor geradezu tierischer Wut. „Du hast doch gehört, er versprach ja wiederzukommen! Laß nur den Narren noch zum letzten Male spazieren gehen! Wenn er dann alt wird – wer wird ihn als Gichtlahmen dann noch pflegen außer dir, seiner alten Pflegerin? So hat er’s ja selber erklärt, hat sich ja nicht mal geschämt ...“
Lisa war ohnmächtig geworden.
Ich selbst wollte ihm nachlaufen.
Aber dann eilte ich zu Mama, umfaßte sie und hielt sie in meinen Armen.