„Ich werde Sie vernichten!“ sagte er plötzlich mit einer sonderbaren, entstellten Stimme, die gar nicht wie seine Stimme war.
Aber auch sie antwortete ihm sonderbar und gleichfalls wie mit einer fremden, unerwarteten Stimme.
„Und wenn ich Ihnen dies Almosen schenkte,“ sagte sie entschlossen, „so würden Sie sich ja noch viel schlimmer an mir rächen, als Sie jetzt drohen, denn Sie würden es nie vergessen, daß Sie als so ein Bettler vor mir gestanden haben ... Ich kann Drohungen von Ihnen nicht anhören!“ schloß sie fast mit Unwillen und sah ihn herausfordernd an.
„‚Drohungen von Ihnen‘, das heißt: von so einem Bettler! Es war nur ein Scherz von mir,“ sagte er leise und lächelte. „Ich werde Ihnen nichts antun, fürchten Sie sich nicht, gehen Sie ... und was jenes Dokument betrifft, so werde ich alles tun, um es Ihnen zu verschaffen, ich werde es Ihnen zusenden – nur gehen Sie jetzt, gehen Sie! Ich habe Ihnen einen törichten Brief geschrieben, Sie aber haben auf den törichten Brief geantwortet und sind gekommen – wir sind quitt. Nicht hier – dort ist der Ausgang,“ sagte er und wies auf die richtige Tür (sie wollte durch das Zimmer gehen, in dem ich hinter der Portiere stand).
„Verzeihen Sie mir, wenn Sie können,“ sagte sie, in der Tür stehen bleibend.
„Wie aber, wenn wir uns später einmal ganz als gute Freunde begegnen und auch an diese Szene mit hellem Lachen zurückdenken werden?“ fragte er auf einmal, aber jeder Zug in seinem Gesicht bebte wie bei einem Menschen, der von einem Krampf befallen ist.
„Oh, gebe Gott!“ rief sie aus und drückte die Hände an die Brust, aber gleichzeitig sah sie ihm doch ängstlich forschend ins Gesicht, und als erriete sie, was er sagen wollte.
„Gehen Sie. Wir haben jetzt beide nicht allzuviel Vernunft, aber Sie ... Oh, Sie sind ein Mensch von meinem Schlage! Ich habe Ihnen einen wahnsinnigen Brief geschrieben, und Sie sind auf diesen Brief hin zu mir gekommen, um mir zu sagen, daß Sie mich ‚beinahe lieben‘. Nein, Sie und ich, wir sind beide – Menschen ein und desselben Wahnsinns! Seien Sie immer so wahnsinnig, ändern Sie sich nicht, und wir werden einander noch als Freunde begegnen – das prophezeie ich Ihnen, und gebe Ihnen mein Wort darauf!“
„Und sehen Sie, dann werde ich Sie unfehlbar lieben, das fühle ich schon jetzt!“ Die Frau in ihr konnte sich nicht bezwingen, warf ihm noch von der Schwelle her als letztes diese Worte zu.
Sie ging hinaus. Ich schlich sofort unhörbar in die Küche und eilte, fast ohne auf Darja Onissimowna, die mich dort erwartete, einen Blick zu werfen, über die Küchentreppe und den Hof auf die Straße. Aber ich sah nur noch, wie sie in eine Droschke stieg, die vor der Haustür auf sie gewartet hatte. Ich lief die Straße hinunter.