Das Stübchen hatte allerdings eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Inneren eines Sarges, und ich wunderte mich, wie richtig er das sofort herausgefunden und ausgedrückt hatte. Es war ein schmaler, länglicher Raum; in Schulterhöhe neigte sich die Wand in stumpfem Winkel nach vorn, in der Schrägheit des Giebeldaches, und stieß oben wieder in stumpfem Winkel mit der Decke zusammen, die ich mit der Handfläche berühren konnte. Werssiloff hielt sich anfangs unwillkürlich gebückt, als fürchte er, unversehens mit dem Kopf anzustoßen; aber schließlich sah er, daß nichts zu befürchten war, und setzte sich ziemlich ruhig auf meinen Diwan, auf dem schon mein Nachtlager hergerichtet war. Ich setzte mich nicht und betrachtete ihn mit der größten Verwunderung.

„Deine Mutter sagte soeben, sie hätte nicht gewußt, ob sie das Geld von dir annehmen sollte, das du ihr vorhin für Beköstigung und Wohnung angeboten hast. Nun, im Hinblick auf diesen Sarg darf man das Geld nicht nur nicht annehmen, sondern ganz im Gegenteil, dir müßte von uns noch zugezahlt werden! Ich bin hier noch nie gewesen und ... kann mir nicht denken, daß es überhaupt möglich ist, hier zu leben.“

„Ich habe mich daran gewöhnt. Daß ich aber Sie jetzt bei mir sehe, daran kann ich mich auf keine Weise gewöhnen – nach alledem, was sich unten zugetragen hat.“

„Nun ja, du warst unten beträchtlich grob, aber ... ich habe gleichfalls meine besonderen Zwecke, die ich dir auch erklären werde, obschon in meinem Kommen, nebenbei bemerkt, nichts Außergewöhnliches liegt. Selbst das, was sich unten zugetragen hat, auch das ist alles nur in der Ordnung der Dinge; aber erkläre mir, ich bitte dich, nur das eine: war das, was du uns dort unten erzähltest, und wozu du uns so feierlich und großartig vorbereitet hast – war das nun wirklich alles, was du uns eröffnen oder mitteilen wolltest, hattest du weiter nichts zu sagen?“

„Das war alles. Das heißt, nehmen wir an, daß es alles war.“

„Dann war es etwas wenig, mein Freund, ich muß gestehen, nach deinem Anfang, und wie du uns alle zum Lachen gereizt hast, und als ich dann noch sah, wie sehr es dich drängte, zu erzählen – da erwartete ich Größeres.“

„Sollte Ihnen das nicht ganz gleich sein?“

„Ich spreche im Grunde ja nur aus dem Maßgefühl heraus; das war dieses große Vorspiel nicht wert, da war das Maßverhältnis gestört. Einen ganzen Monat hast du geschwiegen, dich gesammelt, und plötzlich – ist nichts dahinter.“

„Ich wollte vieles erzählen, aber ich schäme mich schon, daß ich dies wenige erzählt habe. Es läßt sich nicht alles erzählen, so in Worten ausdrücken, manches wird am besten nie erzählt. Ich aber habe doch genug gesagt, und dennoch haben Sie nichts verstanden.“

„Ah, auch du leidest also manchmal darunter, daß ein Gedanke sich nicht in Worte hineinzwängen läßt! Das ist ein edler Schmerz, mein Freund, und wird nur Auserwählten gegeben; ein Dummkopf ist immer zufrieden mit dem, was er gesagt hat, und außerdem sagt er immer mehr als nötig ist; viel Lärm um nichts.“