„Wie zum Beispiel ich vorhin; auch ich sagte mehr als nötig war; ich verlangte den ‚ganzen Werssiloff‘ – das ist viel mehr als nötig ist; ich brauche Werssiloff überhaupt nicht.“

„Mein Freund, du willst, wie ich sehe, das wieder einholen, was du unten verloren hast. Du scheinst zu bereuen, und da bereuen bei uns nichts anderes heißt, als sofort wieder einen anderen angreifen, so möchtest du mich diesmal gut treffen und nicht wieder vorbeischlagen. Ich bin zu früh gekommen, du bist noch nicht abgekühlt, und zudem fällt es dir sehr schwer, Kritik zu ertragen. Aber so setze dich doch, um Gotteswillen, – ich bin gekommen, um dir etwas mitzuteilen. So, danke. Aus dem, was du unten von dem Fortgehen deiner Mutter sagtest, geht nur zu klar hervor, daß es unter allen Umständen am besten ist, wenn wir uns trennen. Ich bin nun zu dir gekommen, um dich zu bitten, das nach Möglichkeit weniger schroff und ohne einen Skandal zu tun, damit es deine Mutter nicht noch mehr betrübt und erschreckt. Schon daß ich selbst zu dir ging, hat ihr Hoffnung gemacht: sie glaubt, wir würden uns noch versöhnen, und dann werde wieder alles beim alten bleiben. Und ich glaube, wenn wir jetzt hier oben ein- oder zweimal etwas lauter lachen würden, so würden wir ihrem schüchternen Herzen die größte Freude bereiten. Mögen es auch nur schlichte Herzen sein, aber sie lieben doch so innig und ungekünstelt, weshalb sollte man da nicht etwas gut zu ihnen sein, wenn sich Gelegenheit dazu bietet? Das wäre das eine. Und dann zweitens: Warum sollen wir denn mit Rachedurst, mit Zähneknirschen und grimmigen Schwüren auseinandergehen? Zweifellos haben wir nicht die geringste Veranlassung, uns gegenseitig um den Hals zu fallen, aber man kann sich doch auch trennen und sich dabei gegenseitig achten, nicht wahr?“

„Das ist alles – Unsinn! Ich verspreche, ohne Skandal das Haus zu verlassen – und das genügt. Sie sagen, Sie bemühten sich um meiner Mutter willen? Und mir will es scheinen, daß die Ruhe der Mutter hiermit nichts zu tun hat und Sie nur so reden.“

„Du glaubst mir nicht?“

„Sie sprechen mit mir entschieden wie mit einem kleinen Kinde!“

„Mein Freund, ich bin ja bereit, dich tausendmal um Verzeihung zu bitten, für all das, was du mir da vorwirfst, für alle diese Jahre deiner Kindheit und so weiter, aber, cher enfant, was käme denn dabei heraus? Du bist so klug, daß du es wohl selbst nicht wünschen wirst, dich in einer so dummen Lage zu befinden. Ich will noch nicht einmal davon reden, daß ich den Charakter deiner Vorwürfe sogar bis jetzt noch nicht verstehe. In der Tat, was machst du mir nun eigentlich zum Vorwurf? Daß du nicht als ein Werssiloff geboren bist? Oder nicht? Bah! Du lachst verächtlich und wehrst mit der Hand ab, also ist es nicht das?“

„Versichere Sie, nein. Und ich kann auch keine besondere Ehre darin finden, Werssiloff zu heißen.“

„Lassen wir die Ehre beiseite; zudem mußte ja deine Antwort unbedingt demokratisch sein; aber wenn es nicht das ist, was ist es dann?“

„Tatjana Pawlowna hat vorhin alles gesagt, was mir klargemacht werden mußte, da ich von selbst niemals darauf verfallen wäre: Sie haben mich nicht zu einem Schuster in die Lehre gegeben, folglich muß ich noch dankbar sein. Ich verstehe nur nicht, warum ich undankbar bin, sogar jetzt noch, sogar nachdem man mich aufgeklärt hat. Spricht da nicht am Ende Ihr stolzes Blut, Andrei Petrowitsch?“

„Wahrscheinlich nicht. Und außerdem wirst du zugeben müssen, daß alle deine Ausfälle unten, statt mich zu treffen, wie du es wolltest, nur deine Mutter getroffen und gepeinigt haben. Indessen sollte man meinen, nicht dir stünde es zu, sie zu richten. Und worin besteht denn ihre Schuld vor dir? Und vielleicht erklärst du mir auch, mein Freund, aus welchem Grunde und zu welchem Zweck du in der Schule und auf dem Gymnasium und überall, und sogar dem ersten besten, dem du vorgestellt wurdest, wie ich gehört habe, von deiner illegitimen Geburt erzählt hast? Man sagte mir, du hättest das mit einer besonderen Vorliebe getan. Und dabei ist das ein Nonsens und eine häßliche Verleumdung; denn du bist legitim geboren als Sohn Makar Iwanowitsch Dolgorukis, eines ehrenwerten und sowohl durch Verstand als Charakter ausgezeichneten Menschen. Wenn du aber eine höhere Bildung erhalten hast, so verdankst du das allerdings deinem ehemaligen Gutsherrn Werssiloff, doch was hat das mit deiner Herkunft zu tun? Indem du aber selbst von deiner illegitimen Herkunft erzählst, was selbstverständlich an sich schon eine Verleumdung ist, hast du das Geheimnis deiner Mutter preisgegeben und, aus einer Art von falschem Stolz, deine Mutter vor den Richterstuhl jedes ersten besten Lumpen gezogen. Mein Freund, das ist sehr unfein, um so mehr, als deine Mutter persönlich an nichts schuld ist: sie ist das reinste Wesen, das ich kenne, und wenn sie nicht den Namen Werssiloff trägt, so liegt das nur daran, daß sie bis auf den heutigen Tag mit einem anderen verheiratet ist.“