„Was ist denn dabei furchtbar, wenn es Christus selbst ist?“
„Er kann mich doch erfassen und emportragen.“
„Lebendig?“
„Hast du denn von Elias nichts gehört? Er umfaßt einen und trägt einen fort ...“
Obschon der kleine Obdorsksche Mönch nach diesem Gespräch nicht wenig nachdenklich in die ihm angewiesene Zelle eines der Klosterbrüder kam, so fühlte er sein Herz doch mehr zum Pater Ferapont als zum Staretz Sossima hingezogen. Das arme Mönchlein war vor allen Dingen fürs Fasten, und da sollte es, seiner Meinung nach, niemanden weiter wundernehmen, wenn solch ein Faster, wie Pater Ferapont, auch „Wunderbares erschaute“. Seine Worte waren allerdings etwas absonderlich gewesen, aber wer konnte denn außer Gott wissen, was sich in ihnen verbarg, in diesen Worten, und doch konnte man allen anderen um Christi willen Einfältigen kein einziges solcher Worte und keine einzige solcher Taten nachrühmen. An den eingeklemmten Teufelsschwanz war er nicht etwa im bildlichen, sondern im buchstäblichen Sinn des Wortes mit ganzer Seele und mit wahrem Vergnügen zu glauben bereit. Außerdem war er immer sehr voreingenommen gegen das Startzentum gewesen, das er bis jetzt nur vom Hörensagen kannte und wie viele andere gleichfalls für eine schädliche Neuerung hielt. Noch war er keinen ganzen Tag im Kloster gewesen, als er schon das geheime Murren einiger freimütiger Klosterbrüder wider das Startzentum vernommen hatte. Zudem war er schon von Natur ungewöhnlich neugierig und für alles interessiert, weshalb er denn auch immer umherschnüffelte und überall spionierte. Das war nun der Grund, warum ihn die Nachricht von dem neuen „Wunder“, das der Staretz Sossima vollbracht haben sollte, so erregte. Aljoscha erinnerte sich später, daß er in der Menge, die sich vor der Zelle des Staretz drängte, mehrmals die kleine Gestalt des herumschnüffelnden Gastes vom heiligen Silvester bemerkt hatte, wie der Kleine von Gruppe zu Gruppe ging, überall horchte und fragte. Doch damals beachtete er ihn nicht weiter; erst später fiel es ihm wieder ein ... Und war ihm doch auch an jenem Tage nicht darum zu tun: dem Staretz Sossima, der sich wieder sehr müde gefühlt und sich hingelegt hatte, war plötzlich, schon im Einschlafen, Aljoscha eingefallen, und so hatte er ihn sofort zu sich rufen lassen. Aljoscha eilte zu ihm. Beim Staretz befanden sich gerade nur Pater Paissij, der Priestermönch Pater Jossiff und der Novize Porfirij. Der Staretz schlug seine müden Augen auf, blickte Aljoscha aufmerksam an und fragte ihn plötzlich:
„Erwarten dich nicht die Deinen, mein Sohn?“
Aljoscha erschrak und stotterte etwas.
„Bedürfen sie nicht deiner? Hast du gestern nicht jemandem versprochen, heute hinzukommen?“
„Ja ... meinem Vater ... den Brüdern ... auch anderen ...“
„Siehst du, geh unbedingt hin, sei nicht traurig. Wisse, daß ich nicht sterben werde, ohne in deiner Gegenwart mein letztes Wort hier auf Erden gesagt zu haben. Dir werde ich dieses Wort sagen, dir vermache ich es, dir, mein geliebter Sohn, denn ich weiß, daß du mich liebst. Jetzt aber geh zu denen, welchen du versprochen hast zu kommen.“