„Ja, es ist wahr. Mein Staretz schickt mich in die Welt.“

„Dann werden wir uns wohl noch sehen in dieser Welt, vor jenem dreißigsten Jahr, wenn ich beginnen werde, mich von meinem Becher loszureißen. Der Vater will sich von seinem Becher nicht vor dem siebzigsten Jahre losreißen, träumt womöglich von achtzig Jahren, hat es mir sogar selbst ganz offen gesagt, und zwar im Ernst, obgleich er doch ein ... Narr ist. Fußt auf seiner Wollust und steht auf ihr, als ob sie ein Stein wäre ... allerdings gibt es ja nach dem dreißigsten Jahre schwerlich etwas anderes, worauf man sich stellen könnte ... Aber bis zum siebzigsten Jahre ist es gemein, bis zum dreißigsten Jahre geht es noch: Man kann wenigstens einen ‚Schimmer von Adel‘ bewahren, wenn auch durch Selbstbetrug. Hast du heute nicht Dmitrij gesehen?“

„Nein, ihn nicht, aber ich habe Ssmerdjäkoff gesehen und gesprochen.“ Und Aljoscha erzählte eilig und ausführlich sein Gespräch mit Ssmerdjäkoff. Iwans Gesicht wurde allmählich immer finsterer beim Zuhören, und er ließ sich vieles wiederholen.

„Nur bat er mich, nicht Dmitrij zu sagen, daß er es mir mitgeteilt hat,“ fügte Aljoscha hinzu. Iwan zog die Brauen zusammen und verfiel in Nachdenken.

„Runzelst du wegen Ssmerdjäkoff die Stirn?“ fragte Aljoscha.

„Ja, seinetwegen. Doch zum Teufel mit ihm, aber Dmitrij wollte ich tatsächlich sehen, nur ist es jetzt nicht mehr nötig ...“ brummte Iwan unwillig.

„Wirst du denn wirklich so bald verreisen?“

„Ja.“

„Aber sag doch, – Dmitrij und der Vater? Womit wird das enden?“ fragte Aljoscha erregt, doch nur halblaut.

„Du fängst schon wieder davon an! Was geht das mich an? Bin ich denn etwa der Wächter meines Bruders?“ stieß Iwan kurz und gereizt hervor. Doch plötzlich lächelte er bitter. „Die Antwort Kains auf Gottes Frage nach dem erschlagenen Bruders, wie? Das denkst du wohl jetzt, nicht? Ach, hol’s der Teufel, ich kann doch wahrhaftig nicht als ihr Wächter hier bleiben! Ich habe hier beendet, was ich zu tun hatte, und fahre. Oder glaubst du vielleicht gar, daß ich auf Dmitrij eifersüchtig bin, weil es mir in diesen ganzen drei Monaten nicht gelungen ist, ihm seine schöne Katerina Iwanowna abspenstig zu machen? Ach ... Äh, zum Teufel, ich habe meine Gründe gehabt, hier zu bleiben. Nun habe ich hier alles beendet, und so fahre ich auch unverzüglich. Was ich beendet habe, das weißt du, du warst ja Augenzeuge.“