„Du meinst – vorhin mit Katerina Iwanowna?“

„Ja, mit ihr; ich machte mich einfach los. Und was ist denn dabei? Was geht mich Dmitrij an? Dmitrij hat nichts damit zu tun! Ich hatte ganz Persönliches mit Katerina Iwanowna zu erledigen. Du weißt doch selbst, daß Dmitrij sich so aufgeführt hat, als ob er sich mit mir verabredet hätte. Ich habe ihn doch um nichts gebeten, er aber hat sie mir freiwillig und feierlich ‚übergeben‘ und hat mir noch seinen Segen geschenkt. Das klingt ja wirklich fast lachhaft. Nein, Aljoscha, nein, wenn du wüßtest, wie leicht ich mich jetzt fühle! Ich saß hier und speiste, und, wirst du’s mir glauben, wollte mir schon Champagner bestellen, um die erste Stunde meiner Freiheit zu feiern. Pfui Teufel, fast ein halbes Jahr lang, – und mit einem Schlage hat man sich von allem befreit! Nein, hätte ich gestern auch nur ahnen können, daß man nur zu wollen braucht, und daß es einen nichts kostet, zu beenden!“

„Sprichst du von deiner Liebe, Iwan?“

„Von meiner Liebe ... wenn du willst, ja. Ich hatte mich in ein junges, stolzes Pensionsfräulein verliebt. Ich quälte mich mit ihr und sie quälte mich. Hatte mich da hinein verbissen ... und plötzlich bin ich von allem befreit. Vorhin bei Chochlakoffs sprach ich erregt, als ich aber hinaustrat, da lachte ich auf – und du kannst mir glauben, daß ich fröhlich lachte. Nein, wirklich!“

„Du sprichst auch jetzt so heiter,“ bemerkte Aljoscha, der sich aufmerksam in das Gesicht des Bruders hineinsah.

„Woher sollte ich auch wissen, daß ich sie überhaupt nicht liebte! Ha–ha–ha! Und da hat es sich nun erwiesen! Aber wie sie mir doch gefallen hat! Wie sie mir sogar heute gefiel, vorhin, als ich die Predigt hielt! Und weißt du, auch jetzt gefällt sie mir maßlos, – und doch fällt es mir so leicht, sie zu verlassen. Du glaubst wohl, ich wolle renommieren?“

„Nein. Nur war das vielleicht keine Liebe.“

„Aljoschka,“ sagte Iwan lachend, „laß dich nicht auf Erörterungen über Liebe ein! Für dich schickt sich das nicht. Vorhin – ja, vorhin, da gingst du durch, Brüderchen, o jeh! Übrigens habe ich vergessen, dich dafür abzuküssen ... Wie sie mich aber gequält hat! Ach, habe wahrlich neben einer gesessen, die sich vergewaltigte. Sie wußte doch, daß ich sie liebte! Und auch sie liebte mich, aber nicht Dmitrij,“ behauptete Iwan lachend. „Ihre Liebe zu Dmitrij hat sie sich nur eingebildet. Alles, was ich ihr vorhin sagte, ist lautere Wahrheit. Nur besteht jetzt die Hauptsache darin, daß sie vielleicht fünfzehn oder zwanzig Jahre brauchen wird, um zu erraten, daß sie Dmitrij überhaupt nie geliebt hat, sondern nur mich liebt, mich, den sie foltert. Ja, wer kann es wissen, vielleicht wird sie’s auch niemals erraten, trotz der heutigen Lehre nicht. Nun, um so besser, daß ich aufgestanden und fortgegangen bin. Übrigens, was macht sie jetzt? Was ging dort vor, als ich fortgegangen war?“

Aljoscha erzählte ihm von dem hysterischen Anfall und was ihm Frau Chochlakoff gesagt hatte: daß sie bewußtlos sei, Fieber habe und phantasiere.

„Ist das aber auch wahr, was die Chochlakoff sagt?“