Seine Augen blitzten, seine Lippen zitterten. Plötzlich schlug er mit der Faust auf den Tisch, daß alle Sachen darauf klirrten, – diese Heftigkeit sah ich an ihm zum erstenmal.

„Ja, ist es denn nötig?“ schrie er auf, „ist es denn nötig? Niemand ist doch meinetwegen verurteilt worden, niemand meinetwegen in die Zwangsarbeit verschickt worden! Der Diener starb an einer Krankheit. Für das vergossene Blut aber bin ich durch meine eigenen Marter und Qualen übergenug gestraft worden. Und man wird es mir ja überhaupt nicht glauben, trotz aller Beweise! Ist es denn nötig, daß ich es tue, ist es denn nötig? Für das vergossene Blut bin ich bereit, mich mein ganzes Leben lang zu quälen, wenn ich nur meine Frau und meine Kinder nicht vernichte. Ist es denn gerecht, sie zu zerschmettern? Irren wir uns da nicht? Wo ist denn da die Wahrheit? Und werden die Menschen diese Wahrheit verstehen und anerkennen, sie schätzen und ehren?“

„Großer Gott!“ dachte ich bei mir, „an die Achtung der Menschen denkt er in solch einer Minute!“ So leid tat er mir damals, daß ich wohl sein Los hätte teilen mögen, um es ihm zu erleichtern. Ich sah, daß er wie rasend war, und ich erschrak, als ich nicht nur mit dem Verstande allein begriff, sondern auch mit ganzer Seele fühlte, was solch ein Entschluß kostet.

„Entscheiden Sie über mein Geschick!“ sagte er plötzlich zu mir.

„Gehen Sie hin und gestehen Sie,“ flüsterte ich ihm zu. Meine Stimme versagte mir fast, doch flüsterte ich es ihm mit Bestimmtheit zu. Ich nahm vom Tisch das Evangelium in russischer Übersetzung und zeigte ihm Johannes, Kapitel XII, Vers 24: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und nicht stirbt, so bleibt es allein, stirbt es aber, so bringt es viele Früchte.“ Diesen Vers hatte ich kurz vor seinem Eintritt gelesen.

Er las ihn: „Das ist wahr,“ sagte er, aber er lächelte bitter. „Ja,“ sagte er, nachdem er lange geschwiegen hatte, „es ist unheimlich, was man in diesem Buche findet. Es ist aber leicht, diese Sprüche anderen vorzulesen. Und wer hat das geschrieben, doch nicht etwa Menschen?“

„Der Heilige Geist,“ sagte ich.

„Sie haben gut reden,“ sagte er und lächelte haßerfüllt. Ich nahm wieder das Buch, schlug es an einer anderen Stelle auf und zeigte ihm Ebräer, Kapitel X, Vers 31. Er las:

„Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“

Er las es und schleuderte das Buch von sich. Er zitterte am ganzen Körper.