„Warum fürchtest du denn gerade heute Mitjenka?“ erkundigte sich Rakitin. „Du bist doch, scheint es, sonst nicht ängstlich von Natur. Er tanzt ja sowieso nach deiner Pfeife.“
„Ich sage dir doch, ich erwarte eine Nachricht, eine goldene, kleine Nachricht, so daß Mitjenka jetzt hier ganz überflüssig ist. Außerdem hat er es mir ja gar nicht geglaubt, daß ich bei Kusjma Kusjmitsch bleiben werde. Das fühle ich. Wahrscheinlich sitzt er jetzt bei Fedor Pawlowitsch an der Hinterstraße im Nachbargarten, um mir aufzulauern. Nun, wenn er sich dort festgesetzt hat, um so besser, dann wird er nicht hierher kommen. Mitjä hat mich ja selbst hinbegleitet zu Kusjma Kusjmitsch; ich sagte ihm, daß ich bis Mitternacht bei ihm bleiben werde, und daß er durchaus um Mitternacht kommen solle, um mich abzuholen. Er ging fort, ich saß ungefähr zehn Minuten beim Alten, dann kehrte ich schnell wieder zurück. Ach, wie ich lief, und wie ich mich fürchtete, ihm zu begegnen!“
„Und jetzt hast du dich aufgeputzt! Sieh mal an, was hast du denn da für ein feines Ding im Haar?“
„Wie du neugierig bist, Rakitka! Ich sage dir ja, ich erwarte so eine gewisse kleine Nachricht. Kommt diese kleine Nachricht, so springe ich auf und fliege davon, daß ihr mich hier kaum gesehen haben werdet. Siehst du, darum habe ich mich aufgeputzt, um dann gleich bereit zu sein.“
„Und wohin willst du dann fliegen?“
„Wenn du viel weißt, wirst du schnell alt.“
„Na, sieh mal an! Du bist ja ganz aus dem Häuschen vor Freude ... Habe dich noch niemals so gesehen. Hast dich ja angekleidet wie zum Ball,“ sagte Rakitin, sie kritisch betrachtend.
„Als ob du was von Bällen verständest.“
„Und du etwa?“
„Ich habe mir doch einmal einen Ball angesehen, vor drei Jahren, als Kusjma Kusjmitsch seinen Sohn verheiratete. Ich saß auf der Empore und sah zu. Ach, Rakitka, aber soll ich mich etwa mit Dir unterhalten, wenn solch ein Prinz hier steht! Sieh, das ist ein Gast! Aljoscha, mein Täubchen, wenn ich dich ansehe, so kann ich’s nicht glauben ... Herrgott, wie bist denn du hergekommen! Offen gestanden, ich hätte es nicht erwartet, nicht geahnt, und früher niemals daran geglaubt, daß du kommen könntest. Wenn es nicht in solch einer Minute wäre, so wäre ich außer mir vor Freude! Setze dich hier auf den Diwan, hierher, so, du mein zarter, goldener Neumond! Ich kann es noch gar nicht fassen ... Ach du, Rakitka, wenn du ihn doch gestern oder vorgestern gebracht hättest! ... Aber ich freue mich auch heute. Vielleicht ist es auch besser jetzt, in solch einer Minute ...“