„Du hast recht, ich bin dir jetzt welchen schuldig. Ich habe ihm doch Champagner für den Fall versprochen, daß er dich zu mir brächte. Na, mal los, holen wir den Champagner, ich werde mittrinken! Fenjä, Fenjä, bring den Champagner, die Flasche, die Mitjä hier gelassen hat, schnell! Wenn ich auch geizig bin, die Flasche gebe ich doch, aber nicht deinetwegen, Rakitka, du bist bloß ein Giftpilz, er aber ist ein Prinz! Und wenn auch meine Seele jetzt nicht dazu aufgelegt ist, einerlei, ich trinke mit euch, auch ich möchte einmal ausgelassen sein!“
„Was ist denn das für ein Augenblick, und was für eine ‚Nachricht‘ erwartest du denn, wenn man fragen darf, oder ist das ein Geheimnis?“ Rakitin brachte das Gespräch wieder darauf zurück und gab sich dabei aus allen Kräften den Anschein, als bemerke er die Nasenstüber nicht, die ihm Gruschenka verabfolgte.
„Ach, warum soll das ein Geheimnis sein, du weißt es doch schon,“ sagte Gruschenka unwillig und drehte ihren Kopf zu Rakitin zurück, wobei sie sich ein wenig von Aljoscha abwandte, doch blieb sie auf seinen Knien sitzen und hielt seinen Hals immer noch umschlungen: „Mein Offizier ist da, mein Offizier kommt!“
„Ich weiß, daß er kommt, aber ist er denn schon hier?“
„In Mokroje ist er; von dort aus wird er mir einen reitenden Boten schicken. Er hat mir geschrieben, vorhin erhielt ich den Brief. Ich sitze jetzt hier und erwarte den Boten.“
„Also das ist’s! Warum aber in Mokroje?“
„Das zu erzählen wäre zu weitläufig, und außerdem genügt das für dich.“
„Und ... und, der Mitjenka, der ... o weh! Weiß er das, oder weiß er es nicht?“
„Ob er’s weiß? Nichts weiß er! Wenn er es wüßte, so würde er mich totschlagen. Aber jetzt fürchte ich nichts mehr, nichts, auch sein Messer nicht. Schweig, Rakitka, erinnere mich nicht mehr an Dmitrij Fedorowitsch: Er hat mir das Herz müd gequält. Und ich möchte an all das nicht mehr denken. Hier, an Aljoschetschka will ich denken, Aljoschetschka will ich ansehen ... Ja, lache nur über mich, mein Täubchen, freue dich über meine Dummheit, über meine Freude lache nur! Er lächelt, er lächelt! Wie freundlich er mich ansieht! Weißt du, Aljoscha, ich dachte immer, daß du wegen vorgestern ... wegen des Fräuleins ... mir böse bist. Ich war ein Scheusal, ich weiß ... Aber es ist doch gut so, wie es gekommen ist. Und schlecht war es, und gut war es,“ sagte Gruschenka nachdenklich lächelnd, und ein harter Zug erschien plötzlich trotz des Lächelns auf ihrem Gesicht. „Mitjä sagte mir, daß sie geschrien habe: ‚Peitschen sollte man sie!‘ Ich hatte sie gar zu sehr beleidigt. Sie rief mich zu sich, wollte mich besiegen, mit ihrer Schokolade verführen ... Nein, es ist doch gut so, wie es gekommen ist,“ sagte sie nochmals und lächelte wieder. „Aber ich fürchte immer noch, daß du böse ...“
„Ja, das ist wahr,“ wandte sich Rakitin in ernster Verwunderung an Aljoscha. „Sie fürchtet dich, Aljoscha, dich Küchel!“