„Für dich ist er ein Küchel, Rakitka, weil du kein Gewissen hast! Ich aber liebe ihn mit meiner ganzen Seele! Glaubst du mir, Aljoscha, daß ich dich mit meiner ganzen Seele liebe?“

„Ach, du schamloses Geschöpf! Sie macht dir eine Liebeserklärung, Aljoscha.“

„Und wenn es so wäre, was ist denn dabei, daß ich ihn liebe?“

„Und dein Offizier? Und die goldene Nachricht aus Mokroje?“

„Das ist etwas für sich, und das hier ist auch etwas für sich.“

„Sieh mal, das ist wieder einmal echte Weiberlogik!“

„Ärgere mich nicht, Rakitka,“ fiel Gruschenka ihm heftig ins Wort, „das ist etwas ganz anderes. Aljoscha liebe ich auf eine andere Art. Es ist wahr, Aljoscha, früher dachte ich auch mit einem häßlichen Gedanken an dich. Ich bin ja ein niedriges Geschöpf, ein wildes Geschöpf bin ich, aber zuweilen habe ich doch auf dich wie auf mein Gewissen gesehen. Immer habe ich gedacht: Wie muß so einer, wie du, mich schlechtes Geschöpf verachten! Noch vorgestern dachte ich es, als ich von dem Fräulein nach Hause kam. Ich habe schon so lange an dich gedacht, Aljoscha, und Mitjä weiß es, ich habe ihm alles gesagt. Mitjä versteht das sehr gut. Glaub mir, Aljoscha, ein anderes Mal, wenn ich dich ansehe, so schäme ich mich, so vergehe ich vor Scham ... Und seit wann ich an dich zu denken angefangen habe, weiß ich nicht einmal, ich erinnere mich dessen nicht mehr ...“

Fenjä trat ein und stellte einen Untersetzer mit drei gefüllten Champagnergläsern und einer aufgekorkten Champagnerflasche auf den Tisch.

„Der Champagner ist da!“ meldete Rakitin. „Hör mal, du bist ja heute so erregt, daß du, wenn du ein Glas getrunken hast, womöglich noch zu tanzen anfangen wirst.“

„Pfui, Schweinerei,“ rief er aus, als er den Champagner näher betrachtete; „Die Alte hat die Flasche in der Küche aufgekorkt und den Pfropfen nicht wieder aufgesetzt ... außerdem ist er warm. Nun, meinetwegen, ich trinke ihn auch so.“