„Der Staretz Sossima ist gestorben?“ fragte Gruschenka betroffen, „Herrgott, und ich wußte es nicht!“ Sie bekreuzte sich andächtig. „Gott, und was tue ich ... ich ... ich sitze auf seinen Knien!“ fuhr sie plötzlich erschrocken auf. Sofort sprang sie von seinen Knien herab und setzte sich auf den Diwan.

Aljoscha sah sie lange und erstaunt an: In seinem Gesicht schien etwas aufzuleuchten.

„Rakitin,“ sagte er plötzlich mit lauter und fester Stimme, „spotte nicht, daß ich mich gegen meinen Gott empöre. Ich möchte gegen dich keinen Groll hegen, darum sei auch du besser. Ich habe einen Schatz verloren, wie du nie einen besessen hast, und du kannst darum auch nicht über mich urteilen. Sieh lieber einmal her auf sie: Hast du bemerkt, wie sie mich geschont hat? Ich kam hierher und dachte, eine böse Seele zu finden –, und es zog mich hierher, weil ich selbst schlecht und böse war. Statt dessen habe ich eine aufrichtige Schwester ... eine liebende Seele gefunden ... Sie hat mich gleich geschont ... Agrafena Alexandrowna, ich spreche von dir. Du hast meine Seele wieder aufgerichtet.“

Aljoschas Lippen bebten, und sein Atem stockte. Er hielt inne.

„Das wäre ja beinahe, als ob sie dich gerettet hätte!“ Rakitin lachte boshaft auf. „Dabei wollte sie dich doch verschlingen, weißt du denn das nicht?“

„Schweig, Rakitka!“ Gruschenka sprang plötzlich auf, „schweigt alle beide! Jetzt werde ich alles sagen: Du, Aljoscha, schweige, denn bei deinen Worten packt mich die Scham, weil ich schlecht und nicht gut bin –, siehst du, so ist’s! Und du, Rakitka, schweig, denn du lügst ja doch nur. Ich hatte einmal, das ist wahr, den schlechten Gedanken, ihn zu verschlingen, wie du sagst, aber jetzt lügst du, jetzt ist das nicht mehr der Fall ... Und daß ich jetzt von dir kein Wort mehr höre, Rakitka!“

Gruschenka sagte es in außergewöhnlicher Erregung.

„Ihr seid beide nicht recht gescheit!“ schimpfte Rakitin, der bald sie, bald Aljoscha verwundert ansah. „Ihr habt ja vollständig den Verstand verloren! Ich bin, wie’s scheint, hier in ein Irrenhaus geraten. Es wird nicht mehr lange dauern, und ihr werdet zu weinen anfangen!“

„Ja, ich werde weinen, werde weinen!“ sagte Gruschenka. „Er hat mich seine Schwester genannt, und das werde ich ihm nie vergessen! Aber sieh, Rakitka, wenn ich auch schlecht bin, so habe ich doch vielleicht ein Zwiebelchen gegeben!“

„Was für ein Zwiebelchen? – Pfui Teufel, sie sind ja faktisch übergeschnappt!“