„Vatermörder!“ schrie der Alte, und der Schrei hallte durch die lautlose Nacht über die ganze Umgegend hin. Doch das war auch alles, was er noch schreien konnte: plötzlich stürzte er, schwer getroffen, zusammen. Mitjä sprang wieder in den Garten hinab und beugte sich über den am Boden Liegenden. Die messingne Mörserkeule, die er noch in der Hand hatte, warf er mechanisch zur Seite in das Gras. Sie fiel etwa zwei Schritt von Grigorij hin, doch nicht ins Gras, sondern auf den Weg, gerade auf die sichtbarste Stelle. Er untersuchte hastig den Liegenden. Der Kopf des Alten war ganz von Blut überströmt. Mitjä befühlte den Kopf von allen Seiten. Er erinnerte sich später deutlich, daß er sich in dieser Minute unbedingt hatte „vollkommen überzeugen“ wollen, was mit dem Alten geschehen war: ob er ihm den Schädel eingeschlagen oder ihn durch den Schlag auf den Scheitel nur betäubt hatte. Aber das Blut strömte, strömte unaufhörlich und benetzte wie ein warmer Strom Mitjäs bebende Finger. Er erinnerte sich später auch noch, daß ihm eingefallen war, sein reines Taschentuch, das er vor dem Gang zu Frau Chochlakoff zu sich gesteckt hatte, aus der Rocktasche hervorzuziehen, um damit sinnloserweise das Blut von der Stirn und dem Gesicht des Alten abzuwischen. Aber auch das Taschentuch war im Augenblick von Blut durchtränkt.
„Gott, warum habe ich das getan?“ sagte sich Mitjä, wie aus einem Traum erwachend. „Wenn ich ihm schon den Schädel eingeschlagen habe, wie soll ich mich dann überzeugen ... Ach, ist denn jetzt nicht alles einerlei!“ fügte er plötzlich hoffnungslos hinzu, „– habe ich ihn erschlagen, dann habe ich ihn erschlagen ... Bist mir in den Weg gekommen, Alter, so liege denn!“ sagte er laut vor sich hin, und plötzlich stürzte er wieder zum Zaun, sprang hinab in die Nebenstraße und lief fort. Das blutdurchtränkte Taschentuch hielt er noch zusammengeballt in der rechten Faust, und so steckte er es beim Laufen in die hintere Rocktasche. Er lief, so schnell er konnte, und einige wenige Fußgänger erinnerten sich später, in dieser Nacht einen wie wahnsinnig laufenden Menschen gesehen zu haben. Er stürzte zum Hause der Morosowa, wo Gruschenka wohnte.
Fenjä war inzwischen, oder vielmehr gleich nach seinem Fortgange, zum Oberhofknecht Nasar Iwanowitsch gelaufen und hatte ihn zitternd angefleht, den „Hauptmann um Christi willen weder heute noch morgen hereinzulassen“. Nasar Iwanowitsch hatte sie ruhig angehört und versprochen, ihre Bitte zu erfüllen, doch war er bald drauf zur Herrin gerufen worden, und so hatte er seinen Neffen, einen Burschen von etwa zwanzig Jahren, der erst vor kurzem vom Lande eingetroffen war, auf dem Hof zurückgelassen, hatte aber vergessen, ihm etwas von Fenjäs Bitte in betreff Karamasoffs zu sagen. Als Mitjä das Hoftor erreicht hatte, klopfte er heftig. Der Bursche erkannte ihn sofort: Mitjä hatte ihm schon des öfteren ein gutes Trinkgeld gegeben. Er riß sofort die Tür auf und beeilte sich, lächelnd zu melden, daß Agrafena Alexandrowna nicht zu Haus sei.
„Wo ist sie denn, Prochor?“ fragte Mitjä und blieb stehen.
„Sie ist doch vorhin fortgefahren, so vor zwei guten Stunden, nach Mokroje, mit Timofei, dem Kutscher, der Herr kennen ihn wohl.“
„Fortgefahren? Warum?“ schrie Mitjä.
„Das kann ich nicht wissen, zu einem Offizier, heißt es, der hat sie rufen lassen und auch die Pferde von dort nachgeschickt ...“
Mitjä ließ ihn stehen und lief wie ein Halbwahnsinniger zu Fenjä.
V.
Der plötzliche Entschluß
Sie saß mit ihrer Großmutter in der Küche, beide wollten sie gerade schlafen gehen. Im Vertrauen auf Nasar Iwanowitsch hatten sie die Küchentür wieder nicht verriegelt.