„Mitjä, bring mich fort ... nimm mich, Mitjä,“ sagte Gruschenka erschöpft.

Mitjä, der schon neben ihr stand, hob sie im Augenblick hoch auf die Arme und eilte mit seiner Last zurück hinter den Vorhang. „Nun, jetzt werde ich lieber fortgehen,“ dachte Kalganoff und verließ das blaue Zimmer. Vorsichtig schloß er hinter sich beide Türflügel. Doch das Fest im Saal wurde tobend fortgesetzt, viel ausgelassener als vorher. Mitjä legte Gruschenka auf das große Bett und küßte sie, als hätte er sich im Kuß an ihren Lippen festgesogen.

„Rühr mich nicht an ...“ bat sie ihn stammelnd, mit flehender Stimme. „Rühr mich nicht an, bevor ich nicht dein bin ... Ich habe gesagt, daß ich dein bin, aber du rühr mich nicht an ... schone mich, bitte ... Nicht neben jenen, nicht in ihrer Gegenwart. Er ist hier. Widerlich ist es hier ...“

„Ich gehorche! ... Mit keinem Gedanken ... Ich bete dich an ...“ murmelte Mitjä. „Ja, widerlich ist’s hier, oh, verflucht!“

Und ohne sie aus den Armen zu lassen, kniete er neben dem Bett nieder.

„Ich weiß, du bist wohl ein Tier, aber du bist doch edel,“ sagte Gruschenka mit schwerer Zunge. „Es muß ehrenhaft sein ... von nun an wird es ehrenhaft sein ... und auch wir müssen ehrenhaft sein, auch wir wollen gut sein, keine Tiere, sondern gut ... Bring mich fort, bring mich weit fort, hörst du ... Ich will nicht hier ... nein, weit fort, weit ...“

„Oh, ja, ja, unbedingt!“ Und er preßte sie in seinen Armen. „Ich bringe dich fort, fortfliehen werden wir ... Oh, mein ganzes Leben gebe ich sofort dafür hin – wenn ich nur um dieses Blut wüßte! ...“

„Was für ein Blut?“ fragte Gruschenka verwundert.

„Nichts, nichts!“ stieß Mitjä knirschend hervor. „Gruscha, du willst, daß hinfort alles ehrenhaft sei, ich aber – bin – ein – Dieb. Ich habe von Katjä Geld gestohlen.“

„Von Katjä? Von dem Fräulein? Nein, du hast nicht gestohlen. Gib ihr, nimm von mir ... Was brauchst du? Jetzt ist alles, was mein ist – dein. Was ist uns Geld?? Wir würden es ohnehin durchbringen ... Wir sind die rechten, die es halten könnten. Wir beide aber wollen lieber gehen und die Erde pflügen. Mit diesen meinen Händen will ich die Erde aufscharren. Arbeiten muß man, sich mühen muß man, hörst du? Aljoscha hat es gesagt. Ich werde dir nicht Geliebte sein, ich werde dir treu sein, werde deine Sklavin sein, werde für dich arbeiten. Wir werden zum Fräulein gehen und sie bitten, daß sie uns verzeiht, und dann werden wir fortfahren. Und du bring ihr das Geld zurück, mich aber liebe ... Sie jedoch, hörst du, sie sollst du nicht lieben. Jetzt darfst du sie nicht mehr lieben. Wenn du sie noch liebst, werde ich sie erwürgen ... Werde ihr beide Augen mit einer Nadel ausstechen ...“