„Verzeihen Sie, gnädige Frau, daß ich es gewagt habe, Sie zu so später Stunde zu belästigen. Es handelt sich um unseren gemeinsamen Bekannten Dmitrij Fedorowitsch Karamasoff,“ begann Perchotin, doch kaum hatte er diesen Namen ausgesprochen, als im Gesichte der Dame eine ungewöhnliche Veränderung vor sich ging und sie ihn heftig unterbrach:
„Wie lange, wie lange wird man mich noch mit diesem furchtbaren Menschen peinigen!“ rief sie empört. „Wie wagen Sie es, mein Herr, eine Ihnen ganz unbekannte Dame in ihrem Hause zu dieser Stunde zu beunruhigen ... bei ihr zu erscheinen, um von einem Menschen zu sprechen, der sie hier, in diesem selben Empfangssalon vor drei Stunden beinahe erschlagen wollte, wenigstens hier mit den Füßen gestampft hat und schließlich in einer Art und Weise hinausgelaufen ist, wie sonst niemand ein anständiges Haus verläßt. Wissen Sie auch, mein Herr, daß ich mich über Sie bei Ihren Vorgesetzten beklagen werde ... Ich bitte Sie, mich sofort zu verlassen ... Ich ... ich bin Mutter, ich werde sofort ... ich ... ich ...“
„Erschlagen!? So wollte er auch Sie erschlagen?“
„Ja, hat er denn sonst jemanden schon umgebracht?“ erkundigte sich Frau Chochlakoff ungestüm.
„Haben Sie die Güte, mich anzuhören, gnädige Frau, nur eine halbe Minute lang, und ich werde Ihnen in zwei Worten alles erklären,“ sagte Perchotin entschlossen. „Heute um fünf Uhr nachmittags borgte Herr Karamasoff, als Kamerad, zehn Rubel von mir, und ich weiß daher bestimmt, daß er kein Geld besaß. Und heute um neun Uhr abends kam er wieder zu mir und hielt ein Geldpaket in der Hand: es waren lauter Hundertrubelscheine, im ganzen ungefähr zwei-, wenn nicht dreitausend Rubel. Seine Hände jedoch und das Gesicht waren mit Blut befleckt, und er sprach und blickte einen an, als hätte er den Verstand verloren. Auf meine Frage, woher er so viel Geld bekommen habe, antwortete er, daß er es kurz vorher von Ihnen erhalten habe, daß Sie ihm dreitausend Rubel vorgestreckt hätten, damit er nach Sibirien in die Goldgruben fahre ...“
Eine nervöse, krankhafte Erregung drückte sich im Gesichte Frau Chochlakoffs aus.
„Mein Gott! Er hat seinen alten Vater erschlagen!“ rief sie erschrocken, die Hände zusammenschlagend. „Ich habe ihm nichts gegeben, nichts, nichts! Oh, laufen Sie, eilen Sie! ... Sprechen Sie kein Wort mehr! Retten Sie den alten Herrn, laufen Sie zu seinem Vater, oh, laufen Sie! ...“
„Erlauben Sie, gnädige Frau, so haben Sie ihm also kein Geld gegeben? Wissen Sie genau, daß Sie ihm nichts gegeben haben?“
„Nichts, nichts habe ich ihm gegeben! Ich habe es ihm abgeschlagen, denn er versteht ja mit Geld gar nicht umzugehen. Er verließ mich wutschnaubend, und hier im Salon stampfte er sogar mit den Füßen. Er wollte sich auf mich stürzen, aber ich rettete mich noch rechtzeitig, indem ich dorthin in die Ecke lief ... Und ich werde Ihnen noch sagen, wie einem Menschen, dem ich nichts mehr verheimlichen will, daß er mich sogar beinahe angespien hat, können Sie sich so etwas vorstellen? Aber warum stehen wir denn? Ach, setzen Sie sich, bitte. Verzeihen Sie, ich ... Oder laufen Sie lieber, laufen Sie, Sie müssen eilen, um den unglücklichen alten Herrn vor diesem schrecklichen Tode zu bewahren!“
„Wenn er ihn aber schon erschlagen hat?“