„Trinken Sie doch Wasser!“ wiederholte sanft, vielleicht schon zum zehntenmal der Untersuchungsrichter.
„Ich habe getrunken, meine Herren ... aber ... nun, was, meine Herren, erdrücken Sie mich, richten Sie mich hin, entscheiden Sie über mein Geschick!“ rief Mitjä der ihn mit unheimlich starrem Blick aus weit offenen Augen ansah.
„Also, Sie behaupten positiv, am Tode Ihres Vaters Fedor Pawlowitsch Karamasoff unschuldig zu sein?“ fragte freundlich, doch nachdrücklich der Untersuchungsrichter.
„Ja, ich bin unschuldig! Schuld bin ich an einem anderen Blute, am Blute eines anderen alten Mannes, doch nicht am Blute meines Vaters. Und ich bereue es! Ich habe den Alten erschlagen, erschlagen und niedergestreckt ... Doch schwer ist es, dieses Blutes wegen für ein anderes Blut einstehen zu müssen, für ein furchtbares Blut, an dem ich unschuldig bin ... Es ist eine furchtbare Anklage, meine Herren ... als hätte man mich mit einem Keulenschlag auf den Kopf getroffen! Aber wer hat denn den Vater erschlagen, wer hat ihn erschlagen? Wer anders hat ihn denn erschlagen können, wenn ich es nicht war? Da muß ein Wunder geschehen sein, etwas Ungereimtes, etwas Unmögliches, Undenkbares! ...“
„Ja, das ist es nun, wer anders hätte ihn erschlagen können? ...“ begann der Untersuchungsrichter, doch der Staatsanwalt (wir wollen ihn der Kürze wegen so nennen, obgleich er nur der Stellvertreter des Staatsanwalts war) wechselte mit ihm einen Blick und sagte dann zu Mitjä gewandt:
„Sie beunruhigen sich diesmal ganz unnötigerweise wegen des Dieners Grigorij Wassiljewitsch. Ich kann Ihnen mitteilen, daß er lebt; er ist bald darauf wieder zu sich gekommen und wird trotz der schweren Verletzung, die, nach seiner und jetzt auch nach Ihrer Aussage, Sie ihm zugefügt haben, wahrscheinlich am Leben bleiben, oder vielmehr bestimmt, wenigstens nach der Aussage des Arztes.“
„Er lebt? So ist er nicht erschlagen?“ schrie Mitjä wie wahnsinnig auf und hob die Hände empor. Sein ganzes Gesicht strahlte. „Mein Herr und mein Gott, ich danke Dir für das Wunder, das Du für mich, den Sünder und Missetäter hast geschehen lassen, daß Du mein Gebet erhört hast! ... Ja, ja, auf mein Gebet hin ist es geschehen – ich habe doch die ganze Nacht gebetet!“
Und er bekreuzte sich dreimal. Er war ganz atemlos vor Freude.
„Nun und von diesem Grigorij haben wir die so wichtigen Aussagen gegen Sie erhalten, daß ...“ wollte der Staatsanwalt fortfahren, doch Mitjä sprang plötzlich vom Stuhl auf und unterbrach ihn:
„Auf einen Augenblick, meine Herren, um Gottes willen, nur auf eine Minute; ich will nur schnell zu ihr laufen ...“