Neljudoff hörte zu und lachte gleichfalls. Der Staatsanwalt lachte zwar nicht, beobachtete jedoch Mitjä mit scharfem Blick ungeheuer aufmerksam, als wollte er sich kein einziges Wort, nicht die geringste Bewegung oder Veränderung seines Gesichtes entgehen lassen.
„So haben wir ja auch mit Ihnen zuerst angefangen,“ meinte Neljudoff immer noch lachend, „wir haben an Sie keine einzige Frage von der Art gestellt, wie: Wann sind Sie aufgestanden, was haben Sie gegessen, und so weiter, sondern wir sind gleich auf das Wesentlichste übergegangen.“
„Ich weiß, ich weiß! Ich habe es wohl verstanden und verstehe es auch zu schätzen, und noch mehr schätze ich es, daß Sie so gütig zu mir sind, was Ihrer Gesinnung nur Ehre macht. Wir drei sind hier zusammengekommen, drei Ehrenmänner, und so mag denn auch alles auf dem gegenseitigen Zutrauen gebildeter Menschen beruhen, dreier Menschen derselben Gesellschaftsklasse, die durch ihren Adel und ihre Ehre verbunden sind. Jedenfalls erlauben Sie mir, Sie in dieser Stunde meines Lebens für meine besten Freunde zu halten, gerade in dieser Stunde, da meine Ehre so erniedrigt wird. Das verletzt Sie doch nicht, meine Herren, nicht wahr?“
„Im Gegenteil, Dmitrij Fedorowitsch, Sie haben das alles so vortrefflich ausgedrückt,“ stimmte ihm der Untersuchungsrichter ernst, doch wohlwollend bei.
„Und die Nebensachen, alle diese spitzfindigen Fußangeln zum Teufel,“ rief Mitjä ganz Feuer und Flamme, „sonst kommt doch nur Unsinn heraus, nicht wahr? ...“
„Ich billige vollkommen Ihren vernünftigen Vorschlag,“ unterbrach ihn plötzlich der Staatsanwalt zu ihm gewandt, „indessen kann ich nicht von meiner Frage ablassen. Es ist für uns von gar zu großer Wichtigkeit zu wissen, wozu Sie diese Summe brauchten, warum gerade dreitausend Rubel?“
„Wozu ich sie brauchte? Nun, für dieses und jenes ... nun, sagen wir, um eine Schuld zu bezahlen.“
„An wen zu bezahlen?“
„Das zu sagen, weigere ich mich, meine Herren! Sehen Sie, ich tue es nicht etwa darum, weil ich es nicht sagen kann, oder es nicht wage und mich fürchte, denn das ist doch nur eine Kleinigkeit, die zu erwähnen sich nicht lohnt, sondern ich sage es deshalb nicht, weil es sich hier um mein Prinzip handelt: das ist mein Privatleben, und ich erlaube niemandem, sich in dasselbe einzumischen. Das ist mein Prinzip. Ihre Frage hat mit der Sache nichts zu tun, und alles, was nicht zur Sache gehört, ist meine Privatangelegenheit. Eine Schuld wollte ich abzahlen, eine Ehrenschuld, doch an wen – das sage ich nicht!“
„Gestatten Sie, daß wir dies niederschreiben,“ sagte der Staatsanwalt.