„Ich sehe dies vollkommen ein, aber ich sage es trotzdem nicht.“

Da mischte sich auch der Staatsanwalt hinein und erinnerte wieder daran, daß der Angeklagte zwar nicht zu antworten brauchte, wenn er das für sich für vorteilhafter hielt usw., doch hinsichtlich des Schadens, den sich der Angeklagte durch das Verschweigen seiner Geldquelle zufüge, und besonders noch, da es sich dabei um eine Frage von solcher Wichtigkeit handelte, so ...

„Und so weiter, meine Herren, und so weiter. Genug, ich habe den Sermon schon gehört!“ unterbrach Mitjä wieder ungeduldig. „Ich begreife selbst sehr gut, von welcher Wichtigkeit diese Frage ist, daß es der Hauptpunkt ist, aber ich sage es trotzdem nicht!“

„Uns kann es ja schließlich gleichgültig sein, das ist nicht unsere Sache, sondern Ihre, und Sie schaden sich dadurch nur,“ bemerkte der Untersuchungsrichter etwas gereizt.

„Scherz beiseite, meine Herren, sehen Sie: –“ Mitjä erhob den Blick und sah sie beide fest an. „Ich hab es schon gleich zu Anfang vorausgefühlt, daß wir gerade in diesem Punkt mit den Köpfen aneinanderprallen würden. Als ich meine Aussagen begann, lag alles andere noch neblig in weiter Ferne, alles wogte noch verschwommen durcheinander, und ich war sogar so naiv, daß ich mit dem Vorschlag, ‚uns gegenseitig volles Vertrauen zu schenken‘ begann. Jetzt sehe ich ein, daß von Vertrauen hier überhaupt nicht die Rede sein kann, denn wir mußten doch einmal auf diesen verfluchten Punkt stoßen. Nun, und jetzt sind wir auch glücklich da angelangt! Es geht nicht, und das genügt. Übrigens, ich mache Ihnen keine Vorwürfe, Sie können mir nicht aufs Wort glauben, das begreife ich doch!“

Er verstummte. Sein Gesicht war düster.

„Aber könnten Sie nicht, ohne im geringsten Ihren Entschluß, das Hauptsächlichste zu verschweigen, aufzugeben, könnten Sie uns nicht trotzdem wenigstens einen kleinen Wink geben oder andeuten, welcher Art die Gründe sind, die Sie zu einer so gefährlichen, für Sie gefährlichen Verheimlichung eines so wichtigen Punktes bewegen?“

Ein trauriges und gleichsam nachdenkliches Lächeln erschien auf Mitjäs Lippen.

„Ich bin sogar viel gütiger, als Sie von mir glauben, meine Herren. Ich werde Ihnen sagen, warum ich es nicht tun kann, und werde Ihnen auch den gewünschten Wink geben, obgleich Sie das eigentlich gar nicht wert sind. Hören Sie, meine Herren, ich verschweige es darum, weil darin eine Schmach für mich liegt. Jawohl, in der Antwort auf die Frage: Woher ich dieses Geld genommen habe, liegt für mich eine Schmach, mit der man selbst die Ermordung und Beraubung meines Vaters nicht vergleichen könnte – wenn ich ihn erschlagen und beraubt hätte. Das ist der Grund, warum ich es nicht sagen kann. Wegen der Schande kann ich es nicht. Wie, meine Herren, Sie wollen auch das niederschreiben?“

„Ja, das muß aufgeschrieben werden,“ sagte der Untersuchungsrichter.