„Aber warum weint es?“ fragte Mitjä ungeduldig weiter, als wenn er zu dumm wäre, um es zu begreifen. „Warum sind seine Ärmchen bloß, warum wird es nicht eingewickelt?“

„Das Kindichen hat’s kalt, die Kleiderchen sind dünn und feucht, und da wärmen sie das Körperchen nicht mehr.“

„Aber warum ist das so? Warum?“ fragt immer drängender der dumme Mitjä.

„Weil sie doch arm sind, abgebrannt, Brot haben sie kein Stückchen mehr; sie bitten für den abgebrannten Ort.“

„Nein, nein,“ ruft Mitjä, als verstehe er noch immer nicht, „aber so sag mir doch: Warum stehen so die abgebrannten Mütter, warum sind sie arm, warum ist das Kindichen arm, warum ist die Steppe so nackt, warum umarmen sie sich nicht, warum küssen sie sich nicht, warum singen sie nicht fröhliche Lieder, warum sind sie so schwarz geworden von dem schwarzen Elend, warum wird das Kindichen nicht genährt?“

Und er fühlt, daß er sinnlos und unvernünftig fragt, aber er hatte unbedingt geradeso fragen wollen, und er glaubt, daß er auch geradeso habe fragen müssen. Und er fühlt noch, daß sich in seinem Herzen eine noch nie empfundene Rührung erhebt, daß er weinen möchte, daß er für alle etwas tun will, auf daß das Kindichen nicht mehr weine, auf daß auch die schwarze verhärmte Mutter des Kindichens nicht mehr weine, auf daß von diesem Augenblicke an niemand mehr eine Träne vergieße, und daß er sofort, unverzüglich so etwas tun will, ohne Aufschub oder Verzug, ohne Rücksicht oder Bedenken, mit der ganzen Karamasoffschen zügellosen Leidenschaft.

„Und ich bin bei dir, jetzt verlasse ich dich nie mehr, das ganze Leben lang gehe ich mit dir,“ ertönen neben ihm Gruschenkas liebeatmende, inbrünstige Worte.

Und da entbrennt sein ganzes Herz und strebt zu etwas Lichtem, Lichtem, und leben will er, leben, auf einem Wege will er gehen, gehen zu dem neuen ihm winkenden Lichte, nur schneller, schneller, jetzt gleich, sofort!

„Was? Wohin?“ ruft er aus, schlägt die Augen auf und setzt sich auf seine Truhe, als ob er aus einer Ohnmacht erwache, und lächelt verklärt.

Vor ihm stand, etwas zu ihm herabgebeugt, Nikolai Parfenowitsch Neljudoff und forderte ihn auf, das Protokoll anzuhören und dann zu unterzeichnen.