„Lebt wohl, Ihr Gottesmenschen!“ rief ihnen Mitjä vom Wagen zu.

„Vergib auch du uns, Väterchen,“ hörte man zwei, drei Stimmen den Gruß erwidern.

„Nun, auch du leb wohl, Trifon Borissytsch!“

Doch Trifon Borissytsch wandte sich nicht einmal nach ihm um, vielleicht weil er gar zu beschäftigt war. Er schrie gleichfalls und gab verschiedene Befehle, denn der zweite Wagen, in dem zwei Gerichtsdiener Mawrikij Mawrikjewitsch und Mitjä begleiten sollten, war noch nicht ganz zur Abfahrt bereit. Der Fuhrknecht, der sie fahren sollte, zog vorläufig noch langsam seinen Kittel an und redete wortreich darüber, daß nicht er, sondern Akim an der Reihe sei, zu fahren. Akim aber war nicht zur Stelle; da lief man denn, um den Akim zu suchen; der Bauer bestand aber auf dem Seinen und bat, daß man warten solle.

„Ach, Mawrikij Mawrikjewitsch, dieses Bauernpack ist doch bei uns ganz ohne jedes Schamgefühl!“ rief Trifon Borissytsch kummervoll. Und zu dem Fuhrknecht: „Dir hat Akim noch vorgestern einen Fünfundzwanziger gegeben, und du hast ihn versoffen, jetzt aber reißt du wieder das Maul bis an die Ohren. Ich wundere mich nur tagaus, tagein über Ihre Güte, Mawrikij Mawrikjewitsch, hat doch dieses Lumpenpack so was nicht mal von weitem verdient. Ich weiß, was ich sage!“

„Aber wozu brauchen wir denn noch eine zweite Troika?“ mischte sich da Mitjä in die Angelegenheit ein. „Fahren wir nur ruhig in einer, Mawrikij Mawrikjewitsch, ich werde ja nicht rebellieren, nicht von dir fortlaufen, wozu also die Bedeckung?“

„Bitte, gefälligst zu begreifen, mein Herr, daß Sie nicht so zu mir zu reden haben, falls Sie es noch nicht wissen sollten. Ich verbitte mir Ihr Du und desgleichen Ihre Ratschläge, die Sie für bessere Gelegenheiten aufsparen können ...“ schrie plötzlich, wild aus sich herausfahrend, Mawrikij Mawrikjewitsch Mitjä an, – als hätte er sich über die Gelegenheit gefreut, seine Galle an ihm auslassen zu können.

Mitjä schwieg. Das Blut war ihm heiß ins Gesicht gestiegen. Nach einem Augenblick fror ihn plötzlich sehr. Der Regen hatte aufgehört, doch der trübe Himmel war ganz von Wolken bedeckt, und ein scharfer Wind blies ihm gerade ins Gesicht. „Sollte das etwa ein Fieberschauer sein?“ dachte Mitjä, der sich in den Schultern schüttelte. Endlich stieg auch Mawrikij Mawrikjewitsch ein, setzte sich gewichtig und breit hin, wobei er – als bemerke er es überhaupt nicht – Mitjä gehörig an die andere Seitenlehne preßte. Freilich war er nicht bei guter Laune, und der ihm zuteil gewordene Auftrag behagte ihm sehr wenig.

„Leb wohl, Trifon Borissytsch!“ rief Mitjä nochmals zurück, und er fühlte selbst, daß er es nicht aus Gutmütigkeit, sondern aus Bosheit, gegen seinen Willen gerufen hatte.

Doch Trifon Borissytsch stand stolz auf seiner Treppe, hielt die Hände auf dem Rücken und sah Mitjä ohne mit der Wimper zu zucken an; er blickte streng und geärgert und antwortete auf Mitjäs Gruß kein Wort.