„Hast du denn etwa Angst?“

„Lach nicht, Koljä, bei Gott, ich habe Angst. Mein Vater würde furchtbar böse werden. Man hat mir streng verboten, mit dir zu verkehren.“

„Beunruhige dich nicht, diesmal wird nichts geschehen. Guten Morgen, Natascha,“ rief er einer der Marktweiber unter einem Schutzdach zu.

„Was bin ich für eine Natascha, Marja heiß ich,“ rief die Händlerin, ein noch junges Weib, mit hoher Fistelstimme fast schreiend zur Antwort.

„Das ist gut, daß du Marja heißt, leb wohl!“

„Ach, du Galgenstrick, bist noch keine Elle lang, nicht mal auf der Erde zu bemerken und bist doch schon wie die anderen!“

„Habe keine Zeit, keine Zeit für dich, nächsten Sonntag kannst du es mir erzählen,“ rief Koljä, heftig mit der Hand abwinkend, als hätte sie mit ihm angebändelt und nicht er mit ihr.

„Was soll ich dir denn nächsten Sonntag erzählen? Hast selber angefangen und nicht ich, du Frechling,“ schrie Marja aufgebracht, „eine tüchtige Tracht Prügel hast du verdient, wir kennen dich dummen Jungen schon von früher!“

Unter den benachbarten Händlerinnen erhob sich ein Lachen, als plötzlich aus dem Bogengang der nächsten Handlung ein aufgebrachter Bursche, dem Aussehen nach ein Kleinkrämer, hervorstürzte und Koljä wütend mit der Faust drohte. Es war das kein städtischer Händler, sondern einer von den „Jahrmarktsleuten“, ein noch junger Mann in einem langschößigen blauen Bauernkittel und einer Mütze mit ledernem Schirm auf dem Kopf. Sein Gesicht war lang, blaß und pockennarbig. Er befand sich in geradezu unsinniger Erregung und konnte zuerst kaum ein Wort hervorbringen, er drohte immer nur mit der Faust.

„Ich kenne dich!“ rief er endlich, „ich kenne dich!“