„Aber warum denn gerade auf mich? Warum sollte denn gerade ich Shutschka finden?“ fragte Koljä mit auffallender Wißbegier. „Warum hofften Sie nicht auf einen anderen?“
„Ja, es hieß, daß Sie den Hund krampfhaft suchten, und wenn Sie ihn gefunden hätten, zu Iljuscha bringen würden. Ssmuroff ließ einmal etwas in der Art verlauten. Wir bemühen uns vor allem, ihn zu überzeugen, daß der Hund lebt, daß wir ihn irgendwo gesehen hätten. Die Knaben brachten ihm ein lebendiges Häschen mit, er sah es aber nur einmal an, lächelte kaum und bat, es wieder aufs Feld zu bringen und freizulassen. Dies taten wir denn auch. Und soeben kehrte sein Vater zurück und brachte ihm einen ganz kleinen Bullenbeißer mit, er hatte ihn sich irgendwoher verschafft. Er hoffte, ihn damit zu trösten, aber es kam, glaube ich, umgekehrt heraus, denn Iljuscha wurde nur noch trauriger ...“
„Aber sagen Sie mir noch eines, Karamasoff: dieser Vater, was ist der eigentlich? Ich kenne ihn, aber was ist er im Grunde ... Ihrer Meinung nach – ein Narr, ein Bajazzo?“
„O nein. Es gibt Menschen, die das Leben in Tiefe empfinden, zu gleicher Zeit aber wie von der Welt unter die Füße getreten sind. Das Possentreiben ist bei ihnen wie eine boshafte Ironie denen gegenüber, welchen sie infolge ihrer eingefleischten Schüchternheit nicht die Wahrheit ins Gesicht zu sagen sich erdreisten können. Glauben Sie mir, Krassotkin, solches Narrenspielen ist zuweilen sehr tragisch. Für ihn gibt es jetzt außer Iljuscha nichts mehr auf der Welt. Iljuscha ist für ihn die ganze Welt. Wenn Iljuscha nun stirbt, wird er entweder geisteskrank werden oder sich das Leben nehmen. Davon bin ich so gut wie überzeugt, nachdem ich ihn jetzt wieder gesehen habe.“
„Ich verstehe Sie, Karamasoff, ich sehe, Sie kennen den Menschen gut,“ sagte Koljä ernst.
„Als ich aber vorhin den Hund bei Ihnen sah, dachte ich, daß es Shutschka sei, den Sie mitgebracht haben, und freute mich für Iljuscha.“
„Warten Sie, Karamasoff, vielleicht werden wir Shutschka noch finden ... Das hier ist mein Pereswonn. Ich werde ihn später ins Zimmer hineinlassen und mit ihm Iljuscha vielleicht mehr zerstreuen, als mit einem echten Bullenbeißer. Warten Sie, Karamasoff, Sie werden sofort etwas erfahren ... Ach, mein Gott, da halte ich Sie, ohne mir dabei etwas zu denken, hier im Freien solange auf!“ unterbrach sich Koljä plötzlich ganz erschrocken. „Sie stehen im leichten Rock bei dieser Kälte, und ich denke nicht einmal daran! Sehen Sie, sehen Sie, was für ein Egoist ich bin! Oh, wir sind alle riesige Egoisten, Karamasoff!“
„Beruhigen Sie sich, es ist allerdings kalt, aber ich erkälte mich nicht so leicht. Doch gehen wir jetzt. Bei der Gelegenheit: Wie heißen Sie? Ich weiß: Koljä, aber wie weiter?“
„Nikolai, Nikolai Iwanow Krassotkin, oder, wie man im Bureaustil sagt: Sohn des Iwan Krassotkin,“ sagte Koljä und lachte – weiß Gott, worüber. Doch plötzlich fügte er hinzu:
„Ich hasse natürlich meinen Namen Nikolai.“