„Da sieht man doch gleich, daß es ein gut erzogener junger Mann ist,“ sagte sie mit einem Kopfneigen, indem sie die Hände auseinanderführte, „denn sonst, unsere übrigen Gäste, die kommen ja einer auf dem anderen angeritten.“
„Wieso, Mamachen, wieso denn einer auf dem anderen, wie meinst du das?“ fragte zwar freundlich, aber doch etwas ängstlich und betreten der Hauptmann seine Frau.
„So, sie kommen eben hereingeritten. Draußen im Flur setzt sich der eine dem anderen auf die Schultern und kommt dann so in eine wohlerzogene Familie hereingeritten, kreuzbeinig auf dem anderen. Was ist denn das für ein Gast?“
„Aber wer denn das, Mamachen, wer ist denn so hereingekommen?“
„Dieser dort ist auf jenem hereingekommen und der andere auf jenem ...“
Doch Koljä stand schon an Iljuschas Bettchen. Der Kranke erbleichte. Er richtete sich in seinem Bettchen auf und sah Koljä unbeweglich ins Gesicht. Der hatte seinen früheren, kleinen Freund schon seit zwei Monaten nicht mehr gesehen und blieb daher bei seinem Anblick ganz betroffen stehen: er hatte sich nicht denken können, daß er ein so mageres und gelbes Gesichtchen, so brennende, übernatürlich große Augen, so abgemagerte Händchen sehen werde. Mit trauriger Verwunderung bemerkte er, daß Iljuscha tief und schnell atmete, und daß seine Lippen trocken waren. Er trat auf ihn zu, reichte ihm die Hand und fragte ganz verwirrt:
„Nun, mein Freund ... wie geht es dir?“ Aber seine Stimme brach ihm plötzlich ab, es fehlte ihm an Ungezwungenheit, in seinem Gesicht zuckte etwas, seine Lippen bebten. Iljuscha lächelte ihm schmerzlich zu, konnte aber kein Wort hervorbringen. Da hob Koljä plötzlich seine Hand und strich Iljuscha über das Haar.
„Tut nichts!“ flüsterte er ihm leise zu, teils um ihn zu trösten, teils ... er wußte selbst nicht, warum er es sagte. Einen Augenblick schwiegen sie wieder.
„Wie, du hast einen jungen Hund?“ fragte Koljä plötzlich im gleichgültigsten Ton.
„Ja – a – a ...“ antwortete Iljuscha, mit tonloser leiser Stimme, als wäre er außer Atem.