„Von wem denn sonst?“
„Knallte? ...“
„Ach so, hab mich unehrerbietig ausgedrückt. Nun, meinetwegen. Aber was hat denn diese Vision zu bedeuten?“
„Ich weiß es nicht, Mischa, was sie zu bedeuten hat.“
„Das konnte ich mir ja denken, daß er’s dir nicht erklären würde. Gescheites steckt dabei natürlich nichts dahinter; wie’s scheint, wieder nur die ewigen Heilsdummheiten. Aber das Kunststück wurde absichtlich gemacht. Jetzt werden alle Kirchenschwalben in der Stadt losschnattern, und dann wird’s vom einen zum anderen durch das ganze Gouvernement gehen: ‚Was hat wohl diese Vision zu bedeuten?‘ Der Alte ist ja wirklich mit Seherkraft begabt: hat ein Kriminalverbrechen gewittert. Es stinkt bei euch.“
„Was für ein Kriminalverbrechen?“
Augenscheinlich wollte Rakitin etwas sagen.
„Dasselbe, das in eurer Familie begangen werden wird. Und zwar wird es zwischen deinen Brüdern und deinem reichen Papachen unbedingt dazu kommen. Und so hat denn Sossima auf alle zukünftigen Fälle mit der Stirn den Fußboden berührt. Was dann später auch geschehen mag, jedenfalls wird’s heißen: ‚Ach, das hat doch der heilige Staretz prophezeit,‘ – obgleich, sage doch selbst, was soll denn das für eine Prophezeiung sein? Nein, das war sozusagen eine sinnbildliche, eine allegorische Handlung, und weiß der Teufel, was noch! Man wird’s ausposaunen und behalten: Hat das Verbrechen vorausgesehen, den Verbrecher erkannt. Alle sich blödsinnig stellenden Stadtverrückten tun dasselbe: Bekreuzen sich vor der Schenke, auf die Kirche aber werfen sie Steine. So tut’s auch dein Staretz: Den Gerechten mit dem Knüppel raus, dem Mörder aber eine Verbeugung bis zur Erde.“
„Was für ein Verbrechen? Welch einem Mörder? Was sagst du?“ Aljoscha stand wie erstarrt, da blieb auch Rakitin stehen.
„Welch einem? Als ob du’s nicht wüßtest? Ich könnte wetten, daß du schon selbst daran gedacht hast. Aber wart mal, das ist ja ganz interessant: Hör, Aljoscha, du sagst doch immer die Wahrheit, wenn du dich auch immer zwischen die Stühle setzt: hast du daran gedacht, oder hast du nicht daran gedacht, antworte?“