„Wieso absichtlich getan?“ fragte Aljoscha.

„Das kannst du wohl wieder, trotz deines Verstandes – nicht verstehen, Aljoschenka. Sieh, nicht das kränkt mich, daß er meinetwegen, da ich nun einmal so eine bin, eifersüchtig ist. Es würde mich viel mehr kränken, wenn er nicht eifersüchtig wäre. Ja, so bin ich. Nicht die Eifersucht kränkt mich, ich bin ja auch ein hartherziger Mensch, und ich bin selbst eifersüchtig. Mich kränkt nur, daß er mich überhaupt nicht liebt und jetzt absichtlich den Eifersüchtigen spielt, das ist es! Bin ich denn etwa blind! Da fängt er jetzt plötzlich an, mir von jener, der Katjä zu erzählen: dieses soll sie sein und wiederum jenes und dann noch was, ‚und sie hat sogar einen berühmten Arzt aus Moskau hergerufen, um mich zu retten, hat auch den besten, den berühmtesten Advokaten verschrieben‘ ... Daraus ersehe ich doch, daß er jetzt nur sie allein liebt, wenn er sie so unverschämt in meiner Gegenwart lobt. Er weiß ja selbst ganz genau, daß er sich mir gegenüber vergangen hat, und da will er nun die ganze Schuld auf mich abwälzen. Dann heißt es: ‚Du hast zuerst mit dem Polacken angefangen, folglich kann ich jetzt auch mit Katjka anfangen.‘ Ich kenne doch die Männer! Jetzt will er auf mich allein die ganze Schuld wälzen. Absichtlich hat er diese Eifersuchtsszene gespielt. Absichtlich hat er es getan, das sage ich dir, nur werde ich ...“

Gruschenka sprach nicht aus, was sie würde ... Sie beugte den Kopf auf den Arm, der auf dem Tisch lag, und weinte wie im Krampf.

„Dmitrij liebt Katerina Iwanowna nicht,“ sagte Aljoscha überzeugt.

„Nun, ob er sie liebt oder nicht liebt, das werde ich bald selbst erfahren,“ sagte Gruschenka, in deren Stimme diesmal eine drohende Note klang. Sie erhob wieder den Kopf, und ihr Gesicht war fast entstellt. Es tat Aljoscha weh, zu sehen, wie ihr sanftes, ruhig-heiteres Gesicht finster und böse geworden war.

„Sprechen wir nicht mehr von diesen Dummheiten!“ brach sie plötzlich ab. „Habe ich dich doch nicht deswegen herbitten lassen. Aljoscha, Täubchen, sag doch, was wird morgen sein, morgen? Das ist ja das einzige, was mich quält! Nur mich allein quält das doch. Wenn ich euch alle ansehe, so muß ich mir immer sagen, daß niemand außer mir daran denkt, daß es niemanden von euch allen etwas angeht. Sag, denkst du wenigstens daran? Morgen wird doch sein Urteil gesprochen! Erzähl mir, Aljoscha, wie geht es eigentlich zu in einer Gerichtssitzung? Wie wird man denn richten? Es ist doch der Diener, der erschlagen hat, der Diener Ssmerdjäkoff! Mein Gott! Man wird ihn doch nicht statt des Dieners verurteilen? Und wird denn niemand für ihn eintreten? Und den Diener haben sie wahrscheinlich überhaupt noch nicht vernommen, was?“

„Man hat ihn sehr scharf verhört,“ sagte Aljoscha nachdenklich, „aber sie scheinen alle übereingekommen zu sein, daß nicht er ihn erschlagen habe. Ssmerdjäkoff ist noch immer krank. Er ist es seit jenem Tage, seit dem epileptischen Anfall ... Er ist tatsächlich krank,“ fügte Aljoscha nochmals hinzu.

„Gott, geh doch du wenigstens zu diesem Advokaten, Aljoscha, und erzähl ihm alles unter vier Augen. Es heißt doch, er sei für dreitausend Rubel aus Petersburg hergekommen.“

„Ja, wir drei haben es zusammen getan, Iwan, Katerina Iwanowna und ich; den Doktor aber hat sie allein für zweitausend aus Moskau verschrieben. Der Advokat Fetjukowitsch hätte wahrscheinlich mehr verlangt, da aber dieser Prozeß in ganz Rußland bekannt geworden ist, da alle Tageszeitungen und Zeitschriften davon sprechen, so hat er um des Ruhmes willen eingewilligt, herzukommen, denn es ist ein gar zu berühmter Fall geworden. Ich habe ihn gestern gesprochen.“

„Nun, und? Hast du ihm alles gesagt?“ fragte sofort Gruschenka erregt.