„Ich werde es nicht vergessen, wenn es nur angeht ... ich habe mich schon so verspätet,“ stotterte Aljoscha, der eiligst verschwinden wollte.
„Nein, bestimmt, bestimmt! Nicht ‚wenn es angeht‘, sonst sterbe ich!“ rief ihm Frau Chochlakoff nach, doch Aljoscha schloß bereits die Tür.
III.
Das Teufelchen
Als er bei Lisa eintrat, fand er sie halb liegend in dem Rollstuhl, in dem man sie früher, als sie noch nicht wieder gehen konnte, gefahren hatte. Sie rührte sich nicht, um ihm entgegenzutreten, aber ihr durchdringender, gleichsam scharf und spitz gewordener Blick schien ihn durchbohren zu wollen. Ihre Augen glänzten wie im Fieber, und ihr Gesicht war bleich. Aljoscha wunderte sich darüber, daß sie sich in drei Tagen dermaßen verändert hatte, sie schien geradezu abgemagert zu sein. Sie reichte ihm nicht die Hand. Da trat er zu ihr und berührte selbst ihre schmalen langen Fingerchen, die regungslos auf ihrem Kleide lagen, und setzte sich dann schweigend ihr gegenüber.
„Ich weiß, daß Sie keine Zeit haben, Sie wollen ins Gefängnis zu Ihrem Bruder gehen,“ sagte Lisa scharf, „Mama aber hat Sie zwei Stunden lang aufgehalten und Ihnen von mir und Julija erzählt.“
„Woher wissen Sie das?“ fragte Aljoscha.
„Ich habe gehorcht. Warum sehen Sie mich so an? Ich will horchen, und ich horche, und es ist nichts Schlechtes dabei. Ich will mich durchaus nicht entschuldigen.“
„Sie scheinen durch etwas mißgestimmt zu sein.“
„Im Gegenteil, ich bin sehr froh. Ich habe soeben noch zum dreißigstenmal darüber nachgedacht, wie gut es ist, daß ich Ihnen abgesagt habe und nicht Ihre Frau werde. Sie taugen nicht zum Ehemann. Sie würden, wenn ich Sie heiratete, alles tun, was ich Ihnen sage. Wenn ich Ihnen dann einen Zettel gebe, um ihn dem zu überbringen, in den ich mich nach Ihnen verliebt habe, so würden Sie bestimmt hingehen und ihm den Zettel abgeben und mir womöglich noch die Antwort überbringen. Sie werden vierzig Jahre alt werden und immer noch so meine Liebesbriefe überbringen.“
Sie lachte plötzlich auf.