„Aljoscha, ich sage Ihnen, das ist furchtbar wichtig!“ Lisa war ganz unverhältnismäßig erregt und betroffen. „Nicht der Traum ist wichtig, sondern das, daß zwei verschiedene Menschen ein und denselben Traum gehabt haben. Sie sagen mir doch nie die Unwahrheit, bitte, lügen Sie auch jetzt nicht: Ist das wirklich wahr? Sie machen sich doch nicht über mich lustig?“
„Es ist vollkommen wahr, was ich Ihnen gesagt habe.“
Lisa war ganz betroffen und verstummte auf eine Weile.
„Aljoscha, kommen Sie öfter zu mir!“ sagte sie plötzlich geradezu flehend.
„Ich werde immer, mein ganzes Leben lang werde ich zu Ihnen kommen,“ antwortete Aljoscha, und seine Stimme hatte, als er sein Versprechen gab, einen festen, ernsten Klang.
„Ich kann doch nur Ihnen allein alles sagen,“ fuhr Lisa fort. „Nur mir und Ihnen sage ich alles. Von anderen Menschen nur Ihnen allein in der ganzen Welt. Und Ihnen sage ich es noch lieber als mir. Und ich schäme mich gar nicht vor Ihnen, nicht ein bißchen. Aljoscha, warum schäme ich mich nicht vor Ihnen? Aljoscha, ist es wahr, daß die Juden zu Ostern kleine Christenkinder stehlen und dann schlachten?“
„Das weiß ich nicht.“
„Ich habe hier ein Buch, darin habe ich von einer Gerichtsverhandlung gelesen: ein Jude hatte einem vierjährigen Knaben alle Fingerchen abgeschnitten, von beiden Händchen, und dann hatte er ihn gekreuzigt, einfach mit Nägeln an die Wand geschlagen. Vor Gericht aber hat er gesagt, der Knabe sei bald gestorben, ungefähr nach vier Stunden. Das ist doch sehr ‚bald‘ – nicht wahr? Er sagt noch, der Kleine habe gestöhnt, die ganze Zeit gestöhnt – er aber hat vor ihm gesessen und sich daran ergötzt. Das muß sehr schön gewesen sein.“
„Schön?“
„Ja, schön. Ich stelle mir zuweilen vor, daß ich den Kleinen so gekreuzigt hätte. Er hängt an der Wand, ich aber setze mich vor ihn hin und esse Ananaskompott. Ich esse sehr gern Ananaskompott. Sie auch?“