„Daß Ihr, wiewohl Ihr alles vorausfühltet, dennoch Euren leiblichen Vater verlassen und uns allesamt nicht beschützen wolltet, dieweil man mich doch von wegen selbiger Dreitausend immer hineinziehen konnte, sozusagen, daß ich sie gestohlen hätte.“
„Der Teufel hole dich!“ fluchte wieder Iwan. „Halt! Hast du auch das von diesen Zeichen dem Untersuchungsrichter und dem Staatsanwalt mitgeteilt?“
„Alles, wie es war, habe ich mitgeteilt.“
Iwan Fedorowitsch wunderte sich wieder über ihn.
„Wenn ich mir damals irgendwelche Gedanken machte, so geschah das einzig in bezug auf dich. Daß Dmitrij Fedorowitsch jemanden erschlagen könnte, das wußte ich, daß er aber stehlen würde – das habe ich keinen Augenblick geglaubt ... Dich aber hielt ich zu jeder Gemeinheit fähig. Du sagtest mir doch selbst, daß du einen epileptischen Anfall vortäuschen könntest – wozu sagtest du mir das?“
„Nur von wegen meiner Treuherzigkeit. Und ich habe noch nie in meinem Leben einen Anfall mit Absicht gemacht oder, wie Ihr sagt, vorgetäuscht; ich sagte selbiges nur so selbentlich, ich wollte dummerweise damit großtun. Ich hatte Euch damals gar zu lieb gewonnen, und so sprach ich denn mit Euch in ganzer Aufrichtigkeit.“
„Mein Bruder aber beschuldigt gerade dich sowohl des Mordes, wie des Diebstahls.“
„Was bleibt ihnen denn sonst übrig?“ Ssmerdjäkoff lächelte bitter. „Aber wer wird ihnen denn glauben nach allen Beweisen? Grigorij Wassiljewitsch hat doch mit eigenen Augen gesehen, daß die Tür offen war, was ist da jetzt noch zu wollen! Aber was, Gott mit ihnen! Sie zittern doch für die eigene Haut ...“
Er verstummte und lag eine Weile ganz still. Plötzlich fügte er, als hätte er sich ein wenig bedacht, noch hinzu:
„Wenn man’s so nimmt, ist ja noch eines dabei zu bedenken: Dmitrij Fedorowitsch wollen alleweil die Schuld auf mich abwälzen, – das habe ich auch schon mannigfach gehört; aber wenn Ihr schon bloß das eine selbst bedenkt, selbiges, daß ich ein Meister sei im Vorspielen eines solchen Anfalles, so sagt doch selbst, ob ich Euch dies gesagt hätte, wenn ich in Wahrheit so eine Absicht in betreff Eures Vaters gehabt hätte? Wenn man schon einmal so eine Absicht hat, wer wird dann noch so dumm sein und selber so etwas aussprechen, womit man ihn doch später mit Leichtigkeit hineinlegen kann – und das dann noch dem leiblichen Sohne, erbarmt Euch! Ist denn das wahrscheinlich? Das ist doch, nach jeder Wahrscheinlichkeit, nie und nimmer möglich. Dieses Gespräch hört jetzt keine lebende Seele, außer der Vorsehung, aber wenn Ihr selbiges dem Staatsanwalt oder dem Untersuchungsrichter mitteilen wolltet, so könntet Ihr mich auf diese Manier gewaltig verteidigen: Denn was ist denn das für ein Räuber und Mörder, der noch kurz vorher so gutmütig offenherzig ist? Das wird man, denke ich, wohl ohne mannigfache Schwierigkeiten begreifen.“