Iwan Fedorowitsch ging in die Ecke, nahm ein Handtuch, tat, wie er gesagt hatte, und begann dann mit dem nassen Handtuch um den Kopf im Zimmer auf und ab zu schreiten.

„Es gefällt mir, daß wir uns so ohne weiteres auf Du und Du stellen,“ begann wieder der Gast.

„Dummkopf!“ Iwan lachte. „Soll ich etwa anfangen zu dir ‚Sie‘ zu sagen? Ich bin jetzt bei guter Laune, nur in der Schläfe fühle ich noch einen Schmerz ... und im Oberkopf ... Aber philosophiere bitte nicht, wie das vorige Mal. Wenn du dich von hier nicht fortpacken kannst, so schwatz wenigstens etwas Amüsanteres. Kram doch deine Klatschgeschichten heraus, du bist doch ein Schmarotzer, da wärst du ja beim Klatschen in deinem Element. Daß man so einen Albdruck nicht loswerden kann, das ist doch wirklich ...! Aber ich fürchte dich nicht, ich werde dich überwinden! Man wird mich nicht in die Irrenanstalt bringen!“

„C’est charmant: ‚Schmarotzer‘. Ja, ich bin gerade in meiner Art, was ich bin. Was bin ich denn sonst auf der Erde, wenn nicht ein Schmarotzer? Übrigens – bei der Gelegenheit: Ich höre dich und, offen gestanden, ich wundere mich ein wenig: Bei Gott, es scheint, daß du allmählich anfängst, mich für ein Etwas, für etwas in der Tat Vorhandenes zu halten, und nicht nur für deine bloße Phantasie, wie du das vorige Mal hartnäckig behauptetest ...“

„Keinen Augenblick akzeptiere ich dich als reale Wahrheit,“ schrie Iwan zornig und wild. „Lüge bist du, meine Krankheit bist du, du bist nichts als ein Fiebergespinst! Nur weiß ich nicht, womit ich dich vernichten könnte ... Ich sehe schon, man wird sich eine Zeitlang quälen müssen. Du bist meine Halluzination. Du bist die Verkörperung meines Ich, übrigens nur eines Teiles meines Ich ... meiner Gedanken und Gefühle, aber nur der niedrigsten und dümmsten. Von diesem Gesichtspunkte aus könntest du mich sogar interessieren, wenn ich nur Zeit hätte, mich mit dir abzugeben ...“

„Erlaube, erlaube, ich werde dich sofort überführen: Vorhin, bei der Straßenlaterne, als du plötzlich Aljoscha anfuhrst und schriest: ‚Das hast du durch ihn erfahren! Woher weißt du, daß er zu mir kommt?‘ Damit meintest du doch mich. Folglich glaubtest du doch eine kleine Sekunde lang, glaubtest du also doch, daß ich wirklich bin,“ sagte der Gentleman mit weichem Lachen.

„Ja, das war eine Schwäche der Natur ... Ich weiß nicht, schlief ich das vorige Mal, oder ging ich umher? Vielleicht sah ich dich damals nur im Traum und gar nicht in Wirklichkeit ...“

„Aber warum warst du denn vorhin so unfreundlich zu ihm, zu Aljoscha, meine ich? Er ist doch ein lieber Junge; ich bin vor ihm noch wegen des Staretz Sossima schuldig.“

„Schweig! Kein Wort von Aljoscha! Wie wagst du es überhaupt, du Lakai!“ Iwan Fedorowitsch lachte wieder.

„Du schimpfst und lachst dabei, – das ist ein gutes Zeichen. Übrigens bist du heute viel liebenswürdiger zu mir als das vorige Mal, aber ich begreife ja auch, woher das kommt: Dieser große Entschluß ...“