„Oh, das ist vorzüglich! Ein Denker wie Sie kann und muß sogar zu jedem öffentlichen Ereignisse in solcher Weise Stellung nehmen, in so ergiebiger Weise, wie Sie es getan haben. Ihre Broschüre ist auf Veranlassung Sr. Eminenz erschienen und hat großen Nutzen gebracht ... Doch ich wollte Sie hauptsächlich fragen – Sie sagten soeben, daß Sie mit Fräulein Sswetloff so gut bekannt wären ...“

Bei dieser Gelegenheit hörte ich zum erstenmal Gruschenkas Familiennamen.

„Ich kann nicht für alle meine Bekanntschaften verantworten ... Ich bin ein junger Mann ... und wer kann denn für jeden einstehen, den er kennen lernt!“

Rakitin errötete plötzlich.

„Ich verstehe, oh, ich verstehe nur zu gut!“ rief Fetjukowitsch aus, als wäre er ganz konfus geworden, und als wolle er sich entschuldigen. „Sie konnten ja wie jeder andere in Versuchung kommen, sich für eine junge und schöne Frau, die bei sich die Blüte der hiesigen Jugend empfängt, zu interessieren. Doch ... ich wollte mich nur erkundigen, ob Ihnen – wie z. B. mir – bekannt ist, daß die Sswetloff, als sie vor zwei Monaten außerordentlich die Bekanntschaft des jüngsten Karamasoff, Alexei Fedorowitsch, zu machen wünschte, Ihnen fünfundzwanzig Rubel versprochen hat, falls Sie ihn in seiner Mönchskutte zu ihr führen würden? Das ist bekanntlich am Abend jenes Tages geschehen, der mit der tragischen Katastrophe, die der gegenwärtigen Verhandlung zugrunde liegt, endete. Sie haben Alexei Karamasoff zu der Sswetloff hingeführt und – damals die fünfundzwanzig Rubel Belohnung von ihr empfangen. Ich möchte nun von Ihnen hören, ob es sich tatsächlich so verhält?“

„Das war nur ein Scherz ... Ich sehe nicht ein, wie dieser Scherz Sie interessieren kann ... Ich habe sie nur im Scherz genommen ... um sie ihr später wiederzugeben ...“

„Also, Sie haben sie doch genommen. Und Sie haben sie bis jetzt auch noch nicht wiedergegeben ... oder sollten Sie sie ihr schon zurückerstattet haben?“

„Das sind doch Lappalien“ ... murmelte Rakitin, „auf solche Fragen kann ich entschieden nicht antworten ... Selbstverständlich werde ich sie ihr zurückerstatten ...“

Der Vorsitzende wollte wieder eingreifen, doch der Verteidiger erklärte sofort, daß er weiter keine Fragen an Herrn Rakitin zu stellen habe. Rakitin verschwand etwas begossen von der Bildfläche. Jedenfalls war der vorteilhafte Eindruck, den seine „liberale, aufgeklärte“ Rede samt seinen „hohen Standpunkten“ gemacht hatte, etwas abgeschwächt worden, und Fetjukowitsch, der ihn mit seinen Blicken begleitete, schien dem Publikum sagen zu wollen: „Seht, das sind eure ehrenwerten und hochanständigen Ankläger!“ Ich erinnere mich noch, daß auch dieser Vorfall nicht ohne eine kleine Episode von seiten Mitjäs verlief: wütend über den Ton, in dem Rakitin sich über Gruschenka geäußert hatte, rief er plötzlich von seinem Platz aus: „Bernard!“ Als der Vorsitzende nach dem Verhör Rakitins sich an den Angeklagten wandte: ob er seinerseits etwas zu bemerken hätte, sagte Mitjä so laut, daß es schallte:

„Er hat mich noch im Gefängnis angepumpt! Ein verächtlicher Bernard und Streber ist er, der an Gott überhaupt nicht glaubt und Se. Eminenz einfach betrogen hat!“