„Bravo, Doktor!“ rief Mitjä von seinem Platz aus, „genau so war es!“

Mitjä wurde natürlich wieder zum Schweigen gebracht, aber die Meinung des jungen Arztes hatte die ausschlaggebende Wirkung auf das Gericht und auch auf das Publikum, denn, wie sich nachher zeigte, waren alle mit ihm einverstanden. Übrigens sagte Doktor Herzenstube, der auch als Zeuge vernommen wurde, ganz unerwartet und ganz plötzlich noch etwas zugunsten Mitjäs aus. Als alter Einwohner unserer Stadt, der schon lange die Familie Karamasoff kannte, machte er sehr interessante Aussagen zur Entlastung Mitjäs und darauf fügte er, als wäre ihm plötzlich wieder etwas eingefallen, hinzu:

„Indessen konnte dem armen jungen Manne ein besseres Geschick zuteil werden, denn er hatte ein gutes Herz als Kind, wie auch noch später, ich weiß es genau. Ein russisches Sprichwort lautet: ‚Wenn jemand Verstand hat, so ist es gut, wenn aber ein kluger Mensch zu ihm zum Besuch kommt, so ist es noch besser, denn dann werden es zwei kluge Menschen sein und nicht nur einer ...‘“

„‚Ein Verstand ist gut, aber zwei sind besser,‘“ unterbrach ihn ungeduldig der Staatsanwalt, der die Gewohnheit des guten Alten kannte, langsam, gedehnt und umständlich zu reden, ohne sich darüber aufzuregen, daß er andere warten ließ, der, im Gegenteil, selbst sehr von seinem schwerfälligen, fröhlich-selbstzufriedenen Humor eingenommen war. Der gute Alte sprach gern viel und gut.

„Oh, ja, ja, das habe ich ja auch gesagt,“ griff der Alte beharrlich auf, „ein Verstand ist gut, aber zwei sind besser, dasselbe Sprichwort habe ich ja auch gesagt. Doch zu ihm ist niemand mit einem Verstande gekommen, und den seinen hat er selbst herausgelassen ... Wie sagt man das? Dieses Wort – wohin er seinen Verstand ... ich habe es vergessen,“ stotterte er und griff wieder vor seinem Gesicht mit der Hand danach, „ach, ja, spazieren.“

„Spazieren?“

„Nun, ja, spazieren, das habe ich ja auch gesagt. Sein Verstand ist ihm spazieren gegangen und dabei in ein so tiefes Loch gefallen, daß er sich vollständig verloren hat. Doch nichtsdestoweniger war er ein guter und gefühlvoller Junge, oh, ich erinnere mich seiner sehr wohl, wie er noch ganz klein war, von seinem Vater auf den Hinterhof hinausgeworfen, und wie er da ohne Stiefelchen umherlief, und wie die kleinen Höschen an einem Knopf hingen ...“

Eine gefühlvolle und innige Note klang in der Stimme des guten Alten. Fetjukowitsch horchte auf, als hoffe er, sich an etwas anklammern zu können.

„Ja, ja, ich selbst war damals noch ein junger Mensch ... Ich ... nun ja, ich war damals fünfundvierzig Jahre alt, ich war vor kurzem hier angekommen, und mir tat der Junge leid, und ich fragte mich: Sollte ich ihm nicht ein Pfund ... Nun, ja, ein Pfund ... Ich habe vergessen, wie man das sagt ... Pfund von dem, was die Kinder sehr lieben, wie sagt man das, – ach nun, wie ist doch das Wort ...“ (er griff wieder mit der Hand danach) „sie wachsen an Bäumen, man sammelt sie und schenkt sie allen Kindern ...“

„Äpfel?“