„Er sprach einmal von seinem persönlichen Haß gegen den Vater, und daß er fürchte ... in einem Augenblick ... daß er in einem Augenblick äußersten Widerwillens ... ihn vielleicht sogar erschlagen könnte.“
„Und als Sie das hörten, glaubten Sie ihm?“
„Ich fürchte mich zu sagen, daß ich ihm glaubte. Ich war aber immer fest überzeugt, daß ein höheres Gefühl ihn in der verhängnisvollen Minute davor bewahren werde, wie es ja auch in der Tat geschehen ist, denn nicht er hat meinen Vater erschlagen,“ schloß Aljoscha mit fester, durch den ganzen Saal laut schallender Stimme.
Der Staatsanwalt fuhr zusammen wie ein Streitroß, das ein Trompetensignal hört.
„Seien Sie überzeugt, daß ich an die vollkommene Aufrichtigkeit Ihrer Überzeugung glaube, ohne dieselbe zu der Liebe, die Sie für Ihren unglücklichen Bruder empfinden, in Beziehung zu bringen. Die eigenartige Anschauung, die Sie von dieser ganzen Tragödie, die sich in Ihrer Familie abgespielt hat, haben, ist uns schon aus dem ersten Verhör bekannt. Ich will Ihnen nicht verheimlichen, daß sie im höchsten Grade persönlich ist und allen übrigen Zeugenaussagen widerspricht. Darum halte ich es auch für nötig, Sie mit allem Nachdruck zu fragen, was Ihre Gedanken darauf gebracht hat, und wodurch Sie eigentlich von der Unschuld Ihres Bruders überzeugt worden sind, und warum Sie an die Schuld der anderen Person glauben, auf die Sie schon früher hingewiesen haben?“
„Beim ersten Verhör habe ich nur auf die Fragen geantwortet,“ sagte Aljoscha ruhig und leise, „ich habe nicht ohne weiteres Anklage gegen Ssmerdjäkoff erhoben.“
„Aber Sie haben doch auf ihn hingewiesen.“
„Ich habe dies auf Grund der Aussage meines Bruders Dmitrij getan. Man erzählte mir noch vor meinem Verhör, was sich bei der Verhaftung meines Bruders zugetragen hatte, und daß er auf Ssmerdjäkoff gewiesen hätte. Ich glaube unerschütterlich daran, daß mein Bruder unschuldig ist. Und wenn nicht er den Vater erschlagen hat, so hat ...“
„So hat es Ssmerdjäkoff getan? ... Warum aber gerade Ssmerdjäkoff? Und warum sind Sie denn so von der Unschuld Ihres Bruders überzeugt?“
„Ich kann nicht anders, als meinem Bruder glauben. Ich weiß, daß er mich nicht belügen wird. Ich habe es an seinem Gesicht gesehen, daß er mich nicht belügt.“