„Nur am Gesicht? Ist das Ihr einziger Beweis?“
„Mehr Beweise habe ich nicht.“
„Und bei der Beschuldigung Ssmerdjäkoffs haben Sie auch nicht den geringsten Beweis, außer den Worten Ihres Bruders und seinem Gesichtsausdruck?“
„Nein, ich habe keinen anderen Beweis.“
Damit brach der Staatsanwalt seine Fragen an ihn ab. Die Aussagen Aljoschas waren für das Publikum eine große Enttäuschung. Über Ssmerdjäkoff hatte man bei uns schon vor der Gerichtssitzung viel gesprochen, der eine hatte dieses gehört, der andere jenes. Und von Aljoscha hatte man gesagt, daß er irgendwelche außergewöhnliche Beweise in der Hand habe, zugunsten des Bruders und für die Schuld des Dieners, und siehe da, – nichts, gar keine Beweise hatte er, außer der sittlichen Überzeugung, die doch schließlich so verständlich war, bei dem leiblichen Bruder des Angeklagten.
Darauf kam Fetjukowitsch an die Reihe. Auf die Frage: wann der Angeklagte ihm, Aljoscha, von seinem Haß gegen den Vater gesprochen und davon, daß er ihn töten könnte, und ob er das kurz vor der Katastrophe getan, etwa beim letzten Zusammentreffen usw. ... zuckte Aljoscha plötzlich zusammen, als ob er sich im Augenblick einer Sache erinnert hätte.
„Ich erinnere mich jetzt eines Umstandes, den ich ganz vergessen hatte ... damals war er mir unklar, jetzt aber ...“
Und Aljoscha erzählte, hingerissen von dem Gedanken, der ihm so plötzlich gekommen war, wie Mitjä beim letzten Zusammentreffen, am Abend, auf dem Wege zum Kloster, dort bei der einsamen Weide, sich auf die Brust geschlagen, „hoch oben auf die Brust“, und dabei einigemal wiederholt hatte, daß er noch die Möglichkeit habe, seine Ehre wieder herzustellen, daß er die Mittel dazu hier auf seiner Brust hätte, „sieh hier, hier auf meiner Brust“ ... „Ich glaubte damals,“ fuhr Aljoscha fort, „daß er, indem er auf seine Brust schlug, von seinem Herzen sprach, davon, daß er aus seinem Herzen die Kräfte schöpfen werde, die große Schande, die er nicht einmal mir zu sagen wagte, von sich abzuwälzen. Ich muß gestehen, ich dachte damals, er spräche vom Vater, und daß er vor der Schande zurückschrecke, zum Vater zu gehen und ihm irgend etwas anzutun, während er, als er damals auf seine Brust schlug, wahrscheinlich auf irgend etwas hinweisen wollte. Ich erinnere mich jetzt, daß mir damals der Gedanke durch den Kopf fuhr, daß das Herz ja doch gar nicht auf der rechten Seite und doch viel niedriger liege; er aber schlug sich ganz hoch auf die Brust, fast unter dem Halse und wies immer auf diese eine Stelle hin. Mein Gedanke erschien mir dumm, doch er hat damals wahrscheinlich gerade auf das Geld, auf die tausendfünfhundert Rubel an seinem Halse hingewiesen! ...“
„So war es!“ rief plötzlich Mitjä, vom Platze aufspringend, dazwischen. „So war es, Aljoscha, genau so, ich schlug damals mit der Faust auf die Brust, auf das Geldsäckchen!“
Fetjukowitsch stürzte sofort eilig zu ihm hin, bat ihn, sich zu beruhigen, und dann klammerte er sich unverzüglich mit seinen Fragen an Aljoscha. Aljoscha war selbst aufs äußerste erregt und sprach lebhaft seine Überzeugung aus, daß die „Schande“ aller Wahrscheinlichkeit nach darin bestanden habe, daß er diese tausendfünfhundert Rubel bei sich trug, statt sie Katerina Iwanowna, als die Hälfte seiner Schuld, zurückzugeben, daß er sich doch nicht entschließen konnte, es zu tun und das Geld zur Entführung Gruschenkas benutzen werde, wenn diese einwilligte ...