„Das ist wieder was anderes,“ sagte Peredonoff, „Mizkewizsch hat auch eine Glocke herausgegeben.“
„Ich weiß es nicht. Sie müssen es drucken lassen. Eine wissenschaftliche Entdeckung. Sie werden berühmt werden.“
„Das darf man nicht drucken,“ sagte Peredonoff ärgerlich, „und ich darf keine verbotenen Bücher lesen. Außerdem lese ich sie auch nicht. Ich bin Patriot!“
Nach endlosen Beschwerden, in denen Peredonoff sein Herz ausschüttete, begriff Awinowitzkji so viel, daß irgend jemand bestrebt sein müsse, Peredonoff auszunützen, und zu diesem Zweck allerhand Gerüchte über ihn verbreitete, um ihn dadurch einzuschüchtern und so den Boden allmählich für einen Erpressungsversuch vorzubereiten. Daß diese Gerüchte ihm, dem Staatsanwalt, noch nicht zu Ohren gekommen waren, erklärte er sich daraus, daß der Erpresser äußerst geschickt nur in Peredonoffs nächstem Bekanntenkreise zu wirken wußte, — denn er bezweckte ja nur, Peredonoff allein auszubeuten. Awinowitzkji fragte:
„Haben Sie Verdacht auf jemanden?“
Peredonoff dachte nach. Ganz zufällig fiel ihm die Gruschina ein; dunkel erinnerte er sich an jenes kürzlich geführte Gespräch, welches er mit der Drohung abbrach, er werde sie denunzieren. Daß er eigentlich der Gruschina gedroht hatte, verwirrte sich in ihm zu einer düstern Vorstellung von Denunziation im allgemeinen. Sollte er jemanden angeben, oder sollte er selber angegeben werden, — das war ihm nicht klar, und er machte auch gar keine Anstrengung, sich genauer daran zu erinnern, — so viel stand fest: die Gruschina war ihm feind. Schlimm genug war es, daß sie dabei gewesen war, als er den Pissareff versteckt hatte. Jetzt mußte er ihn wo anders hintun.
Peredonoff sagte:
„Es gibt hier eine gewisse Frau Gruschina.“
„Ich weiß, ein erstklassiges Luder,“ entschied Awinowitzkji kurz.
„Immerwährend kommt sie zu uns,“ klagte Peredonoff, „überall schnüffelt sie. Sie ist geizig und will alles haben. Vielleicht möchte sie Geld von mir dafür, daß sie mich nicht angibt wegen des Pissareff. Oder vielleicht will sie mich heiraten. Ich will ihr aber nichts zahlen, und ich habe eine andere Braut; mag sie immerhin denunzieren, ich bin unschuldig. Es ist nur unangenehm, wenn daraus eine Geschichte entstehen sollte, denn das könnte mir bei der Ernennung schaden.“