„Sie ist eine bekannte Gaunerin,“ sagte der Staatsanwalt. „Sie fing hier an gewerbsmäßig zu wahrsagen und es gab Dumme genug, welche zu ihr gingen. Da sagte ich der Polizei, sie möchte ihr das Handwerk legen. Dieses eine Mal waren sie ausnahmsweise klug und befolgten meinen Rat.“

„Sie wahrsagt auch jetzt noch,“ sagte Peredonoff, „noch neulich hat sie mir Karten ausgelegt, sie redete von einem weiten Weg und von einem Kronsbrief.“

„Sie weiß genau, wem sie was sagt. Warten Sie nur, jetzt knüpft sie die Schlingen und wird später Geld fordern. Kommen Sie dann direkt zu mir. Ich werde ihr hundert aufzählen lassen,“ schloß Awinowitzkji mit seiner beliebten Redensart. Doch durfte man dies nicht wörtlich nehmen; dieser Ausdruck bedeutete nur: einen scharfen Verweis erteilen.

So versprach Awinowitzkji Peredonoff beizustehen; dennoch war dieser, als er vom Staatsanwalt fortging, von einem dumpfen Angstgefühl beherrscht, welches durch die lauten drohenden Reden Awinowitzkjis nur bestärkt worden war.

Nun machte Peredonoff täglich vor dem Mittagessen eine Visite, — mehr als eine konnte er wegen der ausführlichen Erklärungen, die er jedesmal geben mußte, nicht erledigen. Am Abend ging er in der Regel Billard spielen.

Wie immer pflegte er den einladenden Handbewegungen der Werschina zu folgen, und wie immer mußte er anhören, wie Rutiloff seine Schwestern lobte. Zu Hause suchte ihn Warwara zu bereden, die Trauung zu beschleunigen, — aber er konnte keinen festen Entschluß fassen.

Natürlich, so dachte er manchmal, wäre es vorteilhaft, Warwara zu heiraten, — wie aber, wenn mich die Fürstin plötzlich im Stich läßt? In der Stadt, dachte er, wird man dann auf meine Kosten lachen, — und dieses Bedenken hielt ihn vom entscheidenden Schritt zurück.

Der Neid seiner Kollegen, welcher eher in seiner Einbildung als tatsächlich vorhanden war, die Intrigen irgend eines Unbekannten und der Umstand, daß ihm die unverheirateten Frauen nachstellten, alles das gestaltete sein Leben traurig und kummervoll; und auch das Wetter war ganz danach: mehrere Tage hindurch war es trübe, kalt und regnerisch. Peredonoff fühlte, wie mißlich sich sein Leben gestaltete, — aber dann dachte er an den in Aussicht stehenden Inspektorposten und damit mußte sich alles zum besten wenden.