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Am Donnerstag machte Peredonoff beim Adelsmarschall seine Aufwartung. Das Haus des Adelsmarschalls erinnerte an eine vornehme Villa in den Villenkolonien von Petersburg, welche Sommer und Winter bewohnt werden konnte. Die Einrichtung des Hauses war nicht gerade luxuriös, doch schienen manche Gegenstände allzu neu und ein wenig überflüssig zu sein.

Alexander Michailowitsch Weriga erwartete Peredonoff in seinem Kabinett. Er tat so als beeilte er sich, seinem Gast entgegenzugehen und als wäre er bloß durch einen Zufall daran verhindert worden.

Weriga hielt sich ungeheuer stramm, selbst wenn man in Betracht zog, daß er ausgedienter Kavallerieoffizier war. Es wurde ihm nachgesagt, daß er ein Korsett trage. Sein glattrasiertes Gesicht war gleichmäßig gerötet, als hätte er es geschminkt. Sein Haar war ganz kurz geschoren, — ein bequemes Mittel, um den Effekt der Glatze zu mildern. Die Augen waren grau, liebenswürdig und kalt. Im Verkehr war er gegen alle äußerst zuvorkommend, in seinen Ansichten streng und entschieden. Allen seinen Bewegungen merkte man den gewesenen Soldaten an und außerdem kleine Hinweise darauf, daß er Gouverneur zu werden beabsichtigte.

Peredonoff saß ihm gegenüber am eichengeschnitzten Schreibtisch und berichtete:

„Ueber mich werden allerhand Gerüchte in Umlauf gesetzt, daher wende ich mich als Edelmann an Sie. Man erzählt über mich Dinge, Exzellenz, welche absolut unwahr sind.“

„Ich habe nichts Derartiges gehört,“ antwortete Weriga und liebenswürdig-erwartungsvoll lächelnd, richtete er seine grauen, aufmerksamen Augen auf Peredonoff.

Peredonoff sah geflissentlich in eine Ecke und redete:

„Ich bin niemals Sozialist gewesen, und wenn es gelegentlich vorkam, daß ich ein Wort zuviel gesagt habe, so ist es zur Genüge damit entschuldigt, daß ein jeder junge Mensch mal über die Stränge schlägt. Jetzt habe ich nicht einmal Gedanken in dieser Richtung.“