„Wohin soll ich’s tragen?“

„Wohin befehlen Sie, daß ich es hinlege?“

„Von Sidor Petrowitsch Jermoschkin.“

Der Polizeichef kam. Er knöpfte an seinem Uniformrock und lächelte süßlich.

„Verzeihen Sie, daß ich auf mich warten ließ,“ sagte er und umfaßte Peredonoffs Rechte mit seinen mächtigen Fäusten, „ich hatte einige Geschäfte zu erledigen. So ist unser Dienst, da gibt’s kein Aufschieben.“

Sjemön Grigorjewitsch Mintschukoff war ein großer, starkknochiger, schwarzhaariger Mann; er hatte eine unbedeutende Glatze, hielt sich ein wenig krumm; und die Hände hingen ihm herunter, wie zwei Bretter. Er lächelte oft und machte dabei ein Gesicht, als hätte er etwas Verbotenes, doch Schmackhaftes gegessen, das er just verdaute. Seine Lippen waren sehr rot und schwulstig, seine Nase massiv, sein Gesichtsausdruck sinnlich und aufmerksam, aber dumm.

Die ganze Umgebung hier machte Peredonoff befangen. Er murmelte unzusammenhängende Worte, saß in seinem Sessel und war bemüht, seine Mütze so zu drehen, daß der Polizeichef die Kokarde daran bemerken mußte. Mintschukoff saß kerzengrade ihm gegenüber an der andern Seite des Tisches, er lächelte süßlich, und seine riesigen Hände glitten langsam über die Kniee, schlossen sich und öffneten sich wieder.

„Man schwatzt Gott weiß welchen Unsinn,“ sagte Peredonoff, „nichts Derartiges ist vorgekommen. Ich selber könnte denunzieren. Ich habe nichts auf dem Gewissen, aber von ihnen wüßte ich Dinge zu berichten. Ich will nur nicht. Hinter dem Rücken wird man verleumdet und ins Gesicht lachen sie einem. Sie werden zugeben, daß das bei meiner Stellung äußerst peinlich ist. Ich habe Protektionen, da wirft man mir Steine in den Weg. Man beobachtet mich durchaus überflüssiger Weise, man verliert Zeit dabei und belästigt mich. Wohin ich nicht gehe, die ganze Stadt spricht davon. Ich hoffe sehr, daß Sie im Falle einer Anfrage auf meiner Seite stehen werden.“

„Aber gewiß, das ist doch natürlich, mit dem größten Vergnügen will ich das,“ sagte Mintschukoff und streckte seine Fäuste vor; „wir in der Polizei müssen das doch am besten wissen, ob Grund zu Verdächtigungen vorliegt oder nicht.“

„Mir kann es natürlich Wurst sein,“ sagte Peredonoff böse, „mögen sie schwatzen, ich fürchte nur, daß es mir im Dienst schaden könnte. Die Leute sind schlau. Achten Sie nicht darauf, was man so redet, zum Beispiel der Rutiloff. Was kann man wissen, er gräbt vielleicht einen Gang unter die Sparbank. Das wäre doch ein Frevel sondergleichen.“